Es war in den Jahren um 1900, als der Fußballsport in den Mauern unserer Heimatstadt seinen Einzug hielt. Es war natürlich noch kein geregeltes Fußballspiel, sondern ein planloses Hin- und Herschlagen des „runden“ Gegenstandes. Trotzdem hatten sich bereits im Jahre 1903 junge Leute zusammengeschlossen. Dieser erste Versuch einer Vereinsgründung hatte aber nur kurzen Bestand. Erst im Jahre 1907 gründete sich ein Verein, aus dem mit dem drei Jahre später gebildeten zweiten Verein durch Vereinigung der heutige Offenburger Fußballverein hervorging.

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In den folgenden Jahren nahm der Fußballsport in Offenburg einen immer größeren Aufschwung. Am 10. März 1910 gründete der begeisterte Sportkamerad Vizefeldwebel Karl Lang mit einigen Unentwegten den Fußballverein 1910 Offenburg. Treibende Kräfte bei dieser Neugründung war besonders das Brüder-Trio Josef, August und Valentin Lurk, die Söhne des damaligen Inhabers der Gastwirtschaft zum "Salmen“. Das von der Brauerei M. Armbruster & Cie. KG im Jahre 1907/08 erbaute Gasthaus in der Hauptstraße diente auch als Vereinslokal, weil damals der „Salmen“ die Möglichkeit für das Umkleiden der jungen Spieler bot. Nicht zuletzt aber, weil es von dort aus nur ein paar Schritte zur Kronenwiese waren. Die meisten dieser Sport- und Fußballbegeisterten kamen aus der Kinzigvorstadt und fünf Gründungsmitglieder aus den Reihen des damaligen Arbeiter-Turnverein von 1860. Diese Turngemeinde hatte sein Domizil auf dem freien Gelände nordöstlich des Bahndamms an der Stegermatt aufgeschlagen. Die Gründungsmitglieder Emil Klein, Karl Merz, Jakob Fischer, Leonhard Künstle, Franz Dorer und Josef, August und Valentin Lurk wählten „Rot und Schwarz“ als Vereinsfarben und Vizefeldwebel Karl Lang vom hiesigen Infanterie-Regiment 170, das in Offenburg in Garnison lag, zum ersten Vorsitzenden. Als Spielplatz diente anfänglich die nahe gelegene Kronenwiese und war ein harter ungeeigneter Sandplatz. Außerdem stand auf dem nahezu quadratischen Spielfeld, gegen dessen nördliche Grenze das Übungshaus der Feuerwehr. Dort gab es einen Hydranten, der den Fußballern ein Dorn im Auge war. Durch seinen Stand beschnitt er das Spielfeld, egal ob sie die Tore von Norden nach Süden oder von Osten nach Westen platzierten. Die Kronenwiese war ein öffentlicher Platz und diente auch anderen Zwecken. Somit mußten die Tore auf und abgebaut werden. Später stellte die Stadtverwaltung Offenburg ein Gelände südlich des Bahndamms zwischen Mühlbach und Zähringerstraße beim „Pulverhäuschen“ (Am Krummer – in der heutige Uhlgrabensiedlung) zur Verfügung. Das Geld in der Vereinskasse war knapp und es galt nach jedem Training oder Wettspiel die Bälle in ebenso sorgfältigster Pflege zu nehmen, zumal von diesen nicht allzu viele vorhanden und teuer waren.

Die ersten Gegner bestanden zunächst hauptsächlich aus Straßburger Vorortvereinen. Der FV Offenburg trat dem Verband Süddeutscher Fußballvereine bei. Dieser Verband organisierte ab der Saison 1903/04 den Punktspielbetrieb in seinem Verbandsgebiet, das in Kreise eingeteilt wurde. Im Verbandsgebiet bestimmte die Festlegung eines einheitlichen Spielsystems das Verbandsgeschehen. Zunächst wurden vier Kreise: Nord, Süd, West und Ost und schließlich drei Spielklassen gebildet: A-Klasse in den Kreisen und die B- und C-Klasse jeweils im Gau. In der C-Klasse des Oberrheingaues – dem sonst nur noch Vereine aus Freiburg, Straßburg, Mülhausen und Umgebung angehörten – spielte der FV Offenburg fortan in der gleichen Klasse wie der Stadtrivale FC Offenburg und startete am 24. September 1911 gegen den Fußballclub Schiltigheim. Dieses erste Punktspiel endete in Offenburg mit einem achtbaren 3:3. Am Ende der Spielrunde reichte es aber nur zum letzten Platz. Bald mußte der neue Verein feststellen, daß der Lokalrivale ihm technisch schon weit überlegen war, so daß größere sportliche Erfolge nicht beschieden waren.

Der Fußballverein 1910 Offenburg vereinigte sich am 08. Februar 1913 mit dem Fußballclub 1907 Offenburg zum ➠ Offenburger FV 1907...

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