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Wer war: Walter Köninger - Lebensretter vom Lindenplatz

"Zum Bären“ hieß der Wirtshof im ehemaligen Haus Lange Straße 29 in Offenburg, wo an Silvester 1894 Walter Köninger das Licht der Welt erblickte. Sein Vater, Andreas Königer aus Sasbachwalden, betrieb das Gasthaus in der Nähe des Lindenplatzes, indem auch für die im Baufach tätigen italienischen Einwanderer gesorgt wurde…

Es muß so um 1908 oder später gewesen sein, was sich einmal am Brunnen am Lindenplatz in Offenburg zugetragen hatte. Der Brunnen diente zu jener Zeit auch noch zu Feuerlöschzwecken und war tiefer als er heute ist. Um einhundertachtzig Grad versetzt ragten zwei Röhren aus dem Brunnenstock, die das Wasser in den achteckigen Trog aus Sandstein spien. Oft sah man einen „Knirps“ akrobatische Übungen auf den Brunnenrosten machen. Allemal verband er damit eines seiner von ihm überaus geliebten „Streichle“, in dem er mit einem Trick den Wasserstrahl bündelte und die Vorübergehenden mit dem kühlen Nass bespritzte. Da er bislang nach einem solchen Streich stets entkommen, war er aber übermütig geworden. Wenn alle Stränge rissen, flüchtete er in den Seitenbau des nahen Wirtshauses „Zum Bären“ in der Langestraße 29. Dort sorgte seine Mutter für das leibliche Wohl unter der Regie seines Vaters für die im Baufach tätigen italienischen Landsleute. Als er nun wieder einmal nach vollbrachter Tat Reißaus nehmen wollte, glitt er aus und fiel in den Brunnen. Da kam der junge Walter Köninger, der spätere Sportkamerad des Offenburger FV und Sohn des Bärenwirtes des Wegs - sah den Knirps stürzen und im schwappenden Wasser des Brunnens verschwinden. Unheil ahnend eilte er hinzu tauchte mit seinem Oberkörper ins Wasser und konnte den Unglücklichen an den Haaren erreichen. Daran zog er ihn heraus und erkannte jetzt das Kerlchen. Es war kein anderer als unser späteres Vereinsmitglied und Spieler David Turri, dem Vater von OFV-Torwartlegände Peter Turri, den Walter Köninger wahrscheinlich vor dem Ertrinken bewahrt hatte.

Nach dem Walter Köninger im Jahre 1914 das Abitur des humanistischen Gymnasiums Offenburg (Grimmelshausen Gymnasium) bestanden hatte, meldete er sich beim kurz darauf erfolgten Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Freiwilliger. Doch ein nervös bedingtes Bronchialasthma ließ einen Tauglichkeitsbefund zum Wehrdienst eben so wenig zu wie die aktive Teilnahme am Fußballsport, dem er mit Begeisterung anhing. Er begann daher mit dem Studium der Nationalökonomie an der Universität in Freiburg. Ein weiterer militärärztlicher Untersuchungsbefund attestierte ihm aber bald eine Befreiung von seinen Beschwerden, worauf er zum Kriegsdienst einberufen wurde.

An der Front stand Walter Köninger mit einem Grenadierregiment. Seit den schweren Kämpfen an der Somme (Frankreich) [Wikipedia: Die Schlacht an der Somme war eine der größten Schlachten an der Westfront des Ersten Weltkrieges. Sie begann am 01. Juli 1916 im Rahmen einer britisch-französischen Großoffensive gegen die deutschen Stellungen. Sie wurde am 18. November desselben Jahres abgebrochen, ohne eine militärische Entscheidung herbeigeführt zu haben. Mit über einer Million getöteten, verwundeten und vermissten Soldaten war sie die verlustreichste Schlacht der Westfront während des Ersten Weltkriegs…] im Spätherbst des Jahres 1916 gilt er als vermißt. Auf der Höhe 141 bei Serre [Wikipedia: Der Angriff des britischen X. Korps mit der 36. und 32. Division zwischen Beaumont – Thiepval und Höhe 141 traf die württembergische 26. Reserve-Division, die rechtzeitig von der bayerischen Division Burkhardt verstärkt werden konnte…], war er am 18. November 1916 zuletzt gesehen worden. Ein Kamerad berichtete, daß er schwer verletzt gewesen sein muß. Durch die höllisch tobende, die Erde umwühlende, Tage und Nächte anhaltende Trommelfeuer konnte ihm keine Hilfe zuteil werden.

(Copyright 2018 - Sven Steppat)