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Wer war eigentlich: Karl-Heinz Bente - Der „Kaiser“ des südbadischen Fußballs

Der 25. Januar 1984 ging als tragisches Datum in die über 100-jährige Geschichte des Offenburger FV ein. Am Morgen dieses Wintertages wurde an der Autobahn A5 nahe Teningen aus dem angrenzenden Wald ein Auto-Wrack geborgen…

Dietmar Deinert, damals Trainer des Freiburger FC, beobachtete den Vorgang im Vorbeifahren. Als er das Kennzeichen an den Überresten des dunkelgrünen Porsches sah, gefror ihm das Blut in den Adern. „FR-EH 750“ - die Nummer von Karl-Heinz Bente.

Bente, den alle „Kalla“ nannten, lebte in diesem Moment schon nicht mehr. Er war mit den letzten Schatten der Nacht von Offenburg nach Freiburg aufgebrochen und einem Sekundenschlaf zum Opfer gefallen. Trotzdem ist er bis heute eine Legende. Denn Bente war der charismatische „Kaiser“ des südbadischen Fußballs. Einer wie Beckenbauer - nicht nur am Ball, sondern überall. In Freiburg, wo der gebürtige Gelsenkirchener bereits 1962 auftauchte. Und später in Offenburg, wo er als Chef mit der Nummer 10 den Offenburger FV in der Ära Egon M. Schneider zu den südbadischen Meisterschaften Nummer acht und neun dirigierte. Dort traf er 1973 auch auf den jungen Wolfacher Alfred Metzler, der fortan alles, was Bente tat und ließ, in sich aufsog. Dabei betrachtet er sein einstiges Vorbild heute durch aus differenziert: „Kalla verkörperte schon so etwas wie das Janusgesicht.“ Einen Charakter also mit zwei sich widersprechenden Seiten. Metzler sagt es so: „Auf dem Platz war er gnadenlos - im normalen Leben ein fabelhafter Mensch. Und vor allem unheimlich clever.“

Metzler muss es wissen. Denn er war Bentes Zimmergenosse bei Trainingslagern und Auswärtsspielen. „Kalla kannte vor 30 Jahren schon, was heute an Fußballwissen von Experten im Fernsehen breitgetreten wird. Er war ein Instinktfußballer und wusste einfach, wie Fußball geht“, sagt Metzler. Titel und Trophäen waren „König Kalla“ allerdings nicht annähernd in dem Maße vergönnt wie „Kaiser“ Franz. Zwar war er im Gründungsjahr der Bundesliga für Preußen Münster am Ball. Dann schlug er aber, weil’s damals als Anzeigenverkäufer der Badischen Zeitung in Freiburg tatsächlich mehr zu verdienen gab, ein Angebot von Bayern München aus und wechselte wieder zum Freiburger FC, mit dem er 1969 den Aufstieg in die Bundesliga um ein einziges Tor verpasste. Nach den beiden Meisterschaften mit dem Offenburger FV zog’s ihn ein drittes Mal zum FFC. Metzler nahm er mit. Und die beiden stiegen zusammen in die 2. Bundesliga auf.

Im Herbst 1983 entdeckte er - wie Beckenbauer wenig später auch - den Job des Teamchefs. Beim Offenburger FV übernahm Bente eine mit der Clubführung zerstrittene Truppe mit vielen Häuptlingen und kaum Indianern. Kurz vor Bentes Tod kamen in den Testspielen der Winterpause die ersten spektakulären Ergebnisse zustande: 1:1 gegen die Bayern und 5:3 gegen Kaiserslautern mit Brehme, Briegel und Thomas Allofs. Dann übernahm Alfred Metzler das Erbe und wurde mit Ralph Todzi, Uwe Hertweck und Co. ➠ Deutscher Fußball-Amateurmeister 1984 durch ein 4:1 im denkwürdigen Finale gegen Eintracht Hamm. (Quelle und Bild: Mittelbadische Presse)
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