• ➠ OFFENBURGER FV

Offenburger FV

Es war in den Jahren um 1900, als der Fußballsport in den Mauern unserer Heimatstadt seinen Einzug hielt. Er war aber mehr ein Schülersport in der Freizeit, welche in "freier Wildbahn" auf Straßen und Plätzen auf zwei Tore bolzten. Trotzdem hatten sich bereits im Jahre 1903 junge Leute zusammengeschlossen mit dem Versuch einer ersten Vereinsgründung. Diese hatte aber nur kurzen Bestand. Erst im Jahre 1907 wurde ein Verein gegründet, der sich mit dem drei Jahre später gebildeten zweiten Verein durch Vereinigung zusammen schloß.

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Man hatte nach kurzem Bestehen beider Vereine das Gefühl, daß es von wesentlichem Vorteil wäre, die Kräfte zu bündeln, anstatt zu splitten. Eine große Gefahr zeigt sich zum Ende des Jahres 1911 auf, als das „Gespenst“ der Platzverluste einher schwebte. Am 04. Mai 1911 beschließen die Stadtverordneten den Bau eines neuen Oberrealschulgebäudes auf der Schillerwiese des FC Offenburg. Der Spatenstich im Oktober 1913 verzögert sich aber wegen dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Der Sportplatz am Pulverhäuschen soll in Kleingärten umgewandelt werden. Es galt fortan alle Hebel zur Wiedererlangung von Plätzen in Bewegung zu setzen. Aus dieser Not wird daher eine Tugend und führt zum Gedanken eines Zusammenschluß, zumal es die Stadtverwaltung auch ablehnt, zwei neue Sportplätze zur Verfügung zu stellen.

Es war eine bedeutsame sportliche Tat, als sich die Vereinsvorsitzenden Fritz Vogel vom FC Offenburg und Vizefeldwebel Karl Lang vom FV Offenburg die Hände reichten, um ihre wertvollen Sonderleistungen in gemeinsamer Arbeit und im Geiste der Einigkeit beim Sportgedanken nutzbar zu machen. Die aufgenommenen Einigungsverhandlungen fanden den gewünschten Erfolg und am 08. Februar 1913 kann im Gasthaus ”Alten Pfalz” die Vereinigung zum Offenburger Fußballverein 1907 vollzogen werden. Nach geheimer und einstimmiger Wahl stellt sich Professor Karl Winkler als neuer Vorsitzender zur Verfügung. Als Stellvertreter wird Friedrich Vogel und Vizefeldwebel Karl Lang, als Schriftführer die Sportkammeraden Alfred Flüge und Ferdinand Kehl sowie Egon Kahles und Karl Günner als Kassierer in den Vorstand berufen. Beisitzer werden Professor Robert Hefner und Johann Rothmund. Das neue Vereinslokal ist nun im Gasthaus „Zähringer Hof” in der Grabenallee untergebracht. Mit der Vereinigung ist nun eine gesunde Grundlage für die Entwicklung des Fußballsports in Offenburg geschaffen, welche sich für die Zukunft günstig auswirken soll. Bei der Gründung zählte der Verein bereits 178 Mitglieder.

Die Vereinigung war nun glücklich unter Dach und Fach, aber die Beschaffung eines neuen Sportplatzes stand bevor. Nach langwierigen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung gelingt es den Platz an der „Stegermatt“ zu erhalten, wo sich bereits der frühere Arbeiter-Turnverein von 1860 (später DJK Offenburg) festgesetzt hat. Diesem wird ein Stück im Gelände überlassen. Über Jahre hinaus gibt es hier Arbeit in Hülle und Fülle. Der Platz muß hergerichtet, eine Umzäunung um das Grundstück geschaffen und das Spielfeld durch Dränung entwässert werden. Rau und dornig bahnt sich der Weg des Vereins zu dieser Zeit, der damals mittellos beschritten werden muß. Trotzdem kann die Hauptkampfbahn (Spielfeld) am 26. Oktober 1913 mit dem Spiel gegen das Infanterie-Regiment 170 seiner Bestimmung übergeben werden.

Mit der Zusammenlegung der beiden hiesigen Vereine ist der Kreis der Aktiven größer. Dadurch ergibt sich die erhöhte Möglichkeit, eine Auswahl unter den Spielern treffen zu können, um eine starke erste Mannschaft zu formieren. Unter ihnen sind auch die drei Brüder – Josef, August und Valentin Lurk. Die drei jüngeren Brüder – Fritz, Albert und Andreas Lurk – kommen später auch hinzu und eifern den älteren nach. Sechs dem Fußball ergebenen Söhnen in einer Familie, das dürfte wohl in unserer Stadt einmalig gewesen sein.

Durch die Festlegung eines einheitlichen Spielsystems im Verbandsgebiet Süddeutscher Fußballvereine wurden zunächst vier Kreise: Nord, Süd, West und Ost und schließlich Spielklassen gebildet: Ab 1912 gab es unter der Kreisliga (= Ligaklasse) – als zunächst höchste Leistungsklasse – die A-Klasse in den Kreisen und die B- und C-Klasse jeweils im Gau. Einen weiteren Fortschritt bedeutete die im Jahre 1913 erfolgte Zuteilung des Offenburger FV zur B-Klasse im Oberrheingau. Der FV Lahr, Germania Freiburg, FC Waldkirch und der FV Emmendingen waren die neuen Gegner. Der dritte Tabellenplatz als Einstand in der höheren Klasse war ein schöner Erfolg.

Im Laufe der Jahre stießen immer mehr Fußballbegeisterte aus der hiesigen Schülervereinigung der Oberrealschule, welche seit 1912 bestand, hinzu. Sie hatten bereits eine erstklassige Fußballschule durch Ernst Hollstein (Karlsruher FV) genossen, welcher als Gewerbelehrer in Offenburg tätig war. An Fußballweisheit und technischem Können brachten sie schon allerhand mit. Mit berechtigtem Stolz kann der Offenburger FV verzeichnen, daß er mit dieser stürmischen Aufwärtsentwicklung Schritt halten konnte.

Der Kriegsausbruch im Jahre 1914 verhindert zunächst jeglichen Sportbetrieb. Da die meisten Spieler der ersten Mannschaft ins Feld gezogen waren, bildet die zweite Mannschaft, die aus jungen und sehr talentierten Spielern besteht, die künftige erste Vertretung. In den Spielen um den „Eisernen Fußball“ im Frühjahr 1916 war ein größerer Erfolg noch nicht beschieden. In den Herbstverbandsspielen 1916 errang der Offenburger FV die Meisterschaft in seinem Bezirk. Ab 1917 ließ der Spielbetrieb allmählich nach, da immer mehr Einberufungen zum Heeresdienst einen Spielbetrieb unmöglich machten. Dem im Jahre 1913 neu geschaffener Gau Nördlicher Schwarzwald gehörte der Offenburger FV im Spieljahr 1920/21 an. Es gelang ihm in einer sehr erfolgreichen Spielrunde die Meisterschaft in der A-Klasse und der Aufstieg in die Kreisliga (= Ligaklasse) zu erkämpfen. Der Verbleib in der höchsten Spielklasse des neuen Südwestkreises (= Abteilung/Staffel II) war leider nur von kurzer Dauer.

Der Opferwilligkeit und tatkräftigen Hilfe der Mitglieder ist es möglich, daß nach schwierigen und umfangreichen Arbeiten im Jahre 1922 eine Zuschauertribüne aus Holzelementen erstellt werden konnte.

In Offenburg ruht der Spielbetrieb infolge der Besetzung der Stadt durch die Franzosen (04. Februar 1923 bis 18. August 1924) fast vollständig. Dies beruht auf die Weltkriegsniederlage Deutschlands im Jahre 1918 mit der alliierten Rheinlandbesetzung. Der Waffenstillstand von Compiègne vom 11. November 1918 sowie der Versailler Vertrag als Verlängerung dieser Verpflichtung zwangen die provisorische Reichsregierung dazu, den Ententemächten die Besetzung linksrheinischer Gebiete und vier rechtsrheinischer Brückenköpfe zu gestatten. Im Zuge dieser Maßnahme okkupierten die Franzosen auch die Stadt Offenburg, was die Unterbrechung der Hauptverkehrslinie zwischen Karlsruhe und Basel zur Folge hat. Auch die scharfen Einreisebestimmungen behindern die Ausrichtung von Fußballspielen in Offenburg, so daß sämtliche Vor- und Rückspiele auf den Plätzen der Gegner stattfinden. Der Spielbetrieb in Offenburg brach damit völlig zusammen. Bereits im August 1924 hebt die französische Besatzung die Okkupierung der Stadt Offenburg mit dem Abzug der Truppen wieder auf.

Im Jahre 1923 gab es die nächste Änderung im Verbandsgebiet mit fünf Bezirken mit fünf Bezirksligen als höchste Spielklasse. Die spielerische Leistungskurve stieg im Spieljahr 1924/25 beträchtlich an. Auch der Abzug der Franzosen bedeutete eine Erleichterung in jeder Beziehung in der Durchführung der Spiele. Ein geordneter Trainingsbetrieb lief wieder an. Nach schweren Spielen in der Kreisliga Südbaden erringt der Offenburger den Kreismeistertitel. Leider erfüllen sich in den Aufstiegsspielen die gehegten Erwartungen (noch) nicht. Doch zwei Jahre später ist es dann soweit: Mit knappen Vorsprung gelingt dem Offenburger FV erneut die Kreismeisterschaft von Südbaden. Die auf dem Verbandstag 1927 beschlossene Spielsystemänderung ermöglichte es, daß alle Kreismeister in die Bezirksliga Württemberg/Baden (Gruppe Baden) aufrücken konnten. Damit hatte der Verein im 20. Jahr seines Bestehens zum zweiten Mal die höchste Spielklasse erreicht.

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