Es war in den Jahren um 1900, als der Fußballsport in den Mauern unserer Heimatstadt seinen Einzug hielt. Er war aber mehr ein Schülersport in der Freizeit, welche in "freier Wildbahn" auf Straßen und Plätzen auf zwei Tore bolzten. Trotzdem hatten sich bereits im Jahre 1903 junge Leute zusammengeschlossen mit dem Versuch einer ersten Vereinsgründung. Diese hatte aber nur kurzen Bestand. Erst im Jahre 1907 wurde ein Verein gegründet, der sich mit dem drei Jahre später gebildeten zweiten Verein durch Vereinigung zusammen schloß.

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Man hatte nach kurzem Bestehen beider Vereine das Gefühl, daß es von wesentlichem Vorteil wäre, die Kräfte zu bündeln, anstatt zu splitten. Eine große Gefahr zeigt sich zum Ende des Jahres 1912 auf, als das „Gespenst“ der Platzverluste einher schwebte. Die Schillerwiese des FC Offenburg sollte für den Bau der Oberrealschule Verwendung finden, während der Sportplatz am Pulverhäuschen in Kleingärten umgewandelt werden sollte. Es galt fortan alle Hebel zur Wiedererlangung von Plätzen in Bewegung zu setzen. Aus dieser Not wurde daher eine Tugend und führte zum Gedanken eines Zusammenschluß, zumal es die Stadtverwaltung auch ablehnte, zwei neue Sportplätze zur Verfügung zu stellen.

Es war eine bedeutsame sportliche Tat, als sich die Vereinsvorsitzenden Fritz Vogel vom FC Offenburg und Vizefeldwebel Karl Lang vom FV Offenburg die Hände reichten, um ihre wertvollen Sonderleistungen in gemeinsamer Arbeit und im Geiste der Einigkeit beim Sportgedanken nutzbar zu machen. Die aufgenommenen Einigungsverhandlungen hatten den gewünschten Erfolg und am 08. Februar 1913 konnte im Gasthaus ”Alten Pfalz” die Vereinigung zum Offenburger Fußballverein 1907 vollzogen werden. Nach geheimer und einstimmiger Wahl stellte sich Professor Karl Winkler als neuer Vorsitzender zur Verfügung. Als Stellvertreter wurden Friedrich Vogel und Vizefeldwebel Karl Lang, als Schriftführer die Sportkammeraden Alfred Flüge und Ferdinand Kehl sowie Egon Kahles und Karl Günner als Kassierer in den Vorstand berufen. Beisitzer waren Professor Robert Hefner und Johann Rothmund. Das neue Vereinslokal war im Gasthaus „Zähringer Hof” in der Grabenallee untergebracht. Mit der Vereinigung wurde nun eine gesunde Grundlage für die Entwicklung des Fußballsports in Offenburg geschaffen, welche sich für die Zukunft günstig auswirken sollte. Bei der Gründung zählte der Verein bereits 178 Mitglieder.

Die Vereinigung war nun glücklich unter Dach und Fach, aber die Beschaffung eines neuen Sportplatzes stand bevor. Nach langwierigen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung gelang es den Platz an der „Stegermatt“ zu erhalten, wo sich bereits der frühere Arbeiter-Turnverein von 1860 (später DJK Offenburg) festgesetzt hatte. Diesem wurde ein Stück im Gelände überlassen. Über Jahre hinaus gab es hier Arbeit in Hülle und Fülle. Der Platz mußte hergerichtet, eine Umzäunung um das Grundstück geschaffen und das Spielfeld durch Dränung entwässert werden. Rau und dornig war der Weg des Vereins zu dieser Zeit, der damals mittellos beschritten werden mußte. Trotzdem konnte der Spielplatz am 26. Oktober 1913 mit dem Spiel gegen das Infanterie-Regiment 170 seiner Bestimmung übergeben werden.

Mit der Zusammenlegung der beiden hiesigen Vereine wurde der Kreis der Aktiven größer. Dadurch ergab sich die erhöhte Möglichkeit, eine Auswahl unter den Spielern treffen zu können, um eine starke erste Mannschaft zu formieren. Unter ihnen waren auch die drei Brüder – Josef, August und Valentin Lurk. Die drei jüngeren Brüder – Fritz, Albert und Andreas Lurk – kamen später auch hinzu und eiferten den älteren nach. Sechs dem Fußball ergebenen Söhnen in einer Familie, das dürfte wohl in unserer Stadt einmalig gewesen sein.

Durch die Festlegung eines einheitlichen Spielsystems im Verbandsgebiet Süddeutscher Fußballvereine wurden zunächst vier Kreise: Nord, Süd, West und Ost und schließlich Spielklassen gebildet: Ab 1912 gab es unter der Kreisliga (= Ligaklasse) – als zunächst höchste Leistungsklasse – die A-Klasse in den Kreisen und die B- und C-Klasse jeweils im Gau. Einen weiteren Fortschritt bedeutete die im Jahre 1913 erfolgte Zuteilung des Offenburger FV zur B-Klasse im Oberrheingau. Der FV Lahr, Germania Freiburg, FC Waldkirch und der FV Emmendingen waren die neuen Gegner. Der dritte Tabellenplatz als Einstand in der höheren Klasse war ein schöner Erfolg.

Im Laufe der Jahre stießen immer mehr Fußballbegeisterte aus der hiesigen Schülervereinigung der Oberrealschule, welche seit 1912 bestand, hinzu. Sie hatten bereits eine erstklassige Fußballschule durch Ernst Hollstein (Karlsruher FV) genossen, welcher als Gewerbelehrer in Offenburg tätig war. An Fußballweisheit und technischem Können brachten sie schon allerhand mit. Mit berechtigtem Stolz kann der Offenburger FV verzeichnen, daß er mit dieser stürmischen Aufwärtsentwicklung Schritt halten konnte.

Der Kriegsausbruch im Jahre 1914 verhinderte zunächst jeglichen Sportbetrieb. Da die meisten Spieler der ersten Mannschaft ins Feld gezogen waren, bildete die zweite Mannschaft, die aus jungen und sehr talentierten Spielern bestand, die künftige erste Vertretung. In den Spielen um den „Eisernen Fußball“ im Frühjahr 1916 war ein größerer Erfolg noch nicht beschieden. In den Herbstverbandsspielen 1916 errang der Offenburger FV die Meisterschaft in seinem Bezirk. Ab 1917 ließ der Spielbetrieb allmählich nach, da immer mehr Einberufungen zum Heeresdienst einen Spielbetrieb unmöglich machten. Dem im Jahre 1913 neu geschaffener Gau Nördlicher Schwarzwald gehörte der Offenburger FV im Spieljahr 1920/21 an. Es gelang ihm in einer sehr erfolgreichen Spielrunde die Meisterschaft in der A-Klasse und der Aufstieg in die Kreisliga (= Ligaklasse) zu erkämpfen. Der Verbleib in der höchsten Spielklasse des neuen Südwestkreises (Abteilung/Staffel II) war leider nur von kurzer Dauer. Dank der Opferwilligkeit und tatkräftigen Hilfe der Mitglieder war es möglich, im Jahre 1922 eine Zuschauertribüne zu erstellen.

Im Jahre 1923 gab es die nächste Änderung im Verbandsgebiet mit fünf Bezirken mit fünf Bezirksligen als höchste Spielklasse. In Offenburg ruhte infolge der Besetzung der Stadt durch die Franzosen der Spielbetrieb fast vollständig. Im Spieljahr 1924/25 stieg die spielerische Leistungskurve beträchtlich an. Auch der Abzug der Franzosen bedeutete eine Erleichterung in jeder Beziehung in der Durchführung der Spiele. Ein geordneter Trainingsbetrieb wurde aufgenommen. Nach schweren Spielen in der Kreisliga Südbaden errang der Offenburger den Kreismeistertitel. Leider erfüllten sich in den Aufstiegsspielen die gehegten Erwartungen (noch) nicht. Doch zwei Jahre später war es dann soweit: Mit knappen Vorsprung errang der Offenburger FV erneut die Kreismeisterschaft von Südbaden. Die auf dem Verbandstag 1927 beschlossene Spielsystemänderung ermöglichte es, daß alle Kreismeister in die Bezirksliga Württemberg/Baden (Gruppe Baden) aufrücken konnten. Damit hatte der Verein im 20. Jahr seines Bestehens zum zweiten Mal die höchste Spielklasse erreicht.

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