• ➠ SPVG. OFFENBURG

Offenburger Sport-Vereinigung

Wenn organisatorische und sportliche Leistungen im Verlauf unserer Vereinsgeschichte besondere Anerkennung verdienen, dann muß die Zeit des Wiederaufbaus nach dem schrecklichen 2. Weltkrieg besonders erwähnt werden. Am 15. April 1945 – zwischen 15:00 Uhr und 16:00 Uhr – marschieren französische Truppen von Norden herkommend in Offenburg ein und übernehmen die militärische und administrative Gewalt. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 08. Mai 1945 war der Krieg auf deutschem Boden beendet. Viele Sportkameraden sind gefallen, vermisst, in Gefangenschaft oder haben sich schwere Verwundungen zugezogen, so dass sie nicht mehr aktiv tätig sein können. Hunger, trostlose Armut oder Hoffnungslosigkeit – überall. Wer denkt schon an Sport? Bereits im Sommer 1945 finden sich zunächst zaghaft einige Unentwegte und eine geringe Anzahl ehemaliger Spieler des Offenburger FV auf der „Stegermatt“ zusammen, suchend nach Freunden und Kameraden aus besseren Tagen. Einer Wiederaufnahme des Sportbetriebes in dieser Zeit stellen sich kaum überwindbare Hindernisse entgegen. Sämtliche Sportausrüstungsgegenstände sind verschwunden und der Platz ist durch Bombenabwürfe in den letzten Kriegstagen unbespielbar. Es bleibt daher nur der privaten Initiative und Aufbauarbeit vorbehalten, hier helfend einzugreifen. Aber sehr bald sind die ersten Hindernisse überwunden.

Inzwischen hat der Sportbetrieb in Offenburg umfangreiche Formen angenommen und der Spielbetrieb unter der provisorischen Leitung der Sportfreunde Anton Baur, Eugen Bruder, Josef Sator und Albert Huber nimmt seinen Anfang. Im Juli 1945 gibt die französische Militärkommandantur die „Stegermatt“ über Umwege wieder frei und schon kommt es zu den ersten Wettkämpfen.

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Als Mangel – bei all dem vielen Fleiß und der Aufopferung – die gesamte Arbeit leisten nur wenige der alten Sportkameraden. Viele Schwierigkeiten überwinden die alten Mitglieder Egon Kahles, Ludwig Fischer, Erich Wiedenhorn, Josef Sator und Karl Schreiber, bis es endlich zu einer Neugründung eines Vereins kommt. Diese fünf Unentwegten erhalten von der französischen Militärregierung die Befugnis, den „aufgelösten“ Offenburger FV nach den herausgegebenen Richtlinien der Militärbehörde neu zugründen und den gesamten Spiel- und Sportbetrieb innerhalb der Mauern unserer Heimatstadt verwaltungsmäßig zu übernehmen. Dies Vereinsauflösung geht aus der ➠ Direktive Nr. 23 vom 17. Dezember 1945 des Alliierten Kontrollrats in Deutschland: „Beschränkung und Entmilitarisierung des Sportwesens in Deutschland“, hervor und besagt unter Punkt 1: „Allen vor der Kapitulation in Deutschland bestehenden sportlichen, militärischen oder paramilitärischen athletischen Organisationen (Klubs, Vereinigungen, Anstalten und andere Organisationen) wird jede Betätigung untersagt und sie sind bis zum 01. Januar 1946 spätestens aufzulösen“. Außerdem darf kein zweiter Sportverein in Offenburg entstehen, da in einer Stadt unter 30.000 Einwohnern alle Sportarten in nur einem Verein betrieben werden müssen. Dies geschieht mit einer Verordnung vom 04. Februar 1946 für das Vereinssportwesen in der französischen Besatzungszone. Es gelten in der Folge die Vorschriften der ➠ Verordnung Nr. 30/33 – „Anweisung betreffend das Stellen von Anträgen auf Genehmigung zur Gründung eines Sportvereins“ und die ➠ Anordnung Nr. 40 – „Anordnung der Alliierten Kommandantur Berlin (BK/O (47) 66): Zulassungsverfahren für nichtpolitische Organisationen“.

Der erfahrene Sportkamerad und Gründungsmitglied des FC 1907 Offenburg Egon Kahles – über dessen moralische und politische Führung im Dritten Reich nichts Nachteiliges bekannt ist – läd zu einer Gründerversammlung am 09. März 1946 um halb acht abends in den Saal der „Neuen Pfalz“ ein, um einen umfangreichen Direktionsausschuß zu wählen, dessen Mitglieder den einzelnen Sport-Abteilungen im neuen Einheitssportverein vorstehen sollen. Mit der Durchführung muß so manche alte Tradition über Bord geworfen werden. Das bedeutet nach den Maßgaben der französischen Militärbehörde, alle Vereine sollen ihren traditionellen Namen aufgeben. Somit wird am 01. Juni 1946 der Einheitssportverein „Offenburger Sportvereinigung“ ins Leben gerufen. So verschwinden klangvolle Vereinsnamen ehrenvoll und gehören vorübergehend der Vergangenheit an. Später drängt die französische Militärbehörde Egon Kahles zum Rücktritt, weil er in den 1930er Jahren die Soldaten-Kameradschaft des ehemaligen Infanterie-Regiments 170 betreut hatte.

Noch vor der Verordnung Nr. 30/33 vom 04. Februar 1946 kommt es in Südbaden zu einer in zwei Gruppen geteilten Oberklasse. Die Gruppe besteht hauptsächlich aus südbadischen Vereinen. Der Offenburger FV wird der Badischen Oberklasse West zugeteilt und am 27. Januar 1946 (19. März 1946) wird der Punktspielbetrieb wiederaufgenommen. Diese erste Punkterunde mußte unter außerordentlich schwierigen Bedingungen durchgeführt werden. Die Zahl der Zuschauer steigt mit Beginn der Punktspiele von Sonntag zu Sonntag und man hört so manchen alten Bekannten außerhalb der Barrieren sagen, das ihn die anderthalb Stunden auf der „Stegermatt“ wieder so recht ins Gleichgewicht gebracht hat. Am Ende der Spielrunde reicht es zu einem fünften Tabellenplatz.

Getragen von einer enormen Begeisterung wird in der Folgezeit durch den Landessportbeauftragten Herrn Walter Dinger die Einteilung der Vereine in entsprechende Spielklassen veranlaßt. Ihm zur Seite steht Egon Kahles als Rechner und Schriftführer. Im Dezember 1946 beschließt die Zonensportkonferenz in Freiburg, eine aus den Gruppen Nord und Süd bestehenden Spitzenklasse – die Zonenliga. Für die Qualifikation zur Zonenliga wird die erste Meisterschaft nicht gewertet. Vielmehr ermöglicht eine Pokalrunde – „Pokal von Baden“ – die Chance zur Qualifikation. Die Zonenliga setzt sich hauptsächlich aus Vereinen der Landesverbände Südbaden und Württemberg/Hohenzollern zusammen. Erster Spieltag für die Offenburger Sportvereinigung in der neuen Liga ist wegen der vorausgegangenen Pokalrunde der 12. Januar 1947 gegen den SSV Reutlingen (1:1). Mit dem zweiten Tabellenplatz am Ende der Punkterunde bot sich die einmalige Gelegenheit, über zwei Qualifikationsspiel gegen den Zweiten der Zonenliga Nord (= Südwest) die Teilnahme an der Endrunde zur Deutschen Fußballmeisterschaft zu erreichen. Im Aufeinandertreffen der Zweiten gegen den TuS Neuendorf (Koblenz) unterliegt die Offenburger Sportvereinigung 5:1 und 2:0.

Einen schweren Schlag trifft den Verein am 20. November 1949. Die im Jahre 1922 erbaute und später erweiterte Holztribüne brennt um 21:00 Uhr bis auf Grundmauern ab. Die Brandursache kann nie geklärt werden. Leider verbrennen damit auch viele dort gelagerte Dokumente und historische Aufzeichnungen aus früheren Zeiten und verschinden somit für immer für die Öffentlichkeit [Anm. d. Verf.: Einige alten Aufzeichnungen konnte nach langem Suchen und vielen Recherchen von Sven Steppat wiedergefunden und aufbereitet werden]. Aber bereits am 08. Oktober 1950 kann die neue Zuschauertribüne eingeweiht werden.

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