Wenn organisatorische und sportliche Leistungen im Verlauf unserer Vereinsgeschichte besondere Anerkennung verdienen, dann muß die Zeit des Wiederaufbaus nach dem schrecklichen 2. Weltkrieg besonders erwähnt werden. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 08. Mai 1945 war der Krieg auf deutschem Boden beendet. Viele Sportkameraden waren gefallen, vermisst, in Gefangenschaft oder hatten sich schwere Verwundungen zugezogen, so dass sie nicht mehr aktiv tätig sein konnten. Hunger, trostlose Armut oder Hoffnungslosigkeit überall. Wer dachte schon an Sport? Bereits im Sommer 1945 fanden sich zunächst zaghaft nur einige Unentwegte und eine Anzahl ehemaliger Spieler des Offenburger FV auf der „Stegermatt“ zusammen, suchend nach Freunden und Kameraden aus besseren Tagen. Einer Wiederaufnahme des Sportbetriebes stellten sich in dieser Zeit kaum überwindbare Hindernisse entgegen. Sämtliche Sportausrüstungsgegenstände waren verschwunden und der Platz war unbespielbar. Bombenabwürfe in den letzten Kriegstagen hinterließen größere Bombentrichter. Es blieb daher nur der privaten Initiative und Aufbauarbeit vorbehalten, hier helfend einzugreifen. Aber sehr bald waren die ersten Hindernisse überwunden. Inzwischen hatte der Sportbetrieb in Offenburg umfangreiche Formen angenommen und der Spielbetrieb unter der provisorischen Leitung der Herren Anton Baur, Eugen Bruder, Josef Sator und Albert Huber wieder seinen Anfang genommen. Im Juli 1945 gab die französischen Militärkommandantur die „Stegermatt“ über Umwege wieder frei und schon kam es zu den ersten Wettkämpfen.

img_004.jpg
Als Mangel war bei all dem vielen Fleiß und der Aufopferung die Tatsache zu verzeichnen, daß die gesamt Arbeit nur von einigen wenigen alten Sportkameraden getan wurde. Viele Schwierigkeiten überwanden die Herren Egon Kahles, Ludwig Fischer, Erich Wiedenhorn, Josef Sator und Karl Schreiber, bis es zu einer Neugründung eines Vereins kommen konnte. Diese fünf Unentwegten bekamen von der französischen Militärregierung die Befugnis, den „aufgelösten“ Offenburger FV nach den herausgegebenen Richtlinien der Militärbehörde neu zugründen und den gesamten Spielbetrieb innerhalb der Mauern unserer Heimatstadt verwaltungsmäßig zu übernehmen. Außerdem durfte kein zweiter Sportverein in Offenburg entstehen, da in einer Stadt unter 30.000 Einwohnern alle Sportarten in nur einem Verein betrieben werden sollten. Dies geschah mit einer Verordnung vom 04. Februar 1946.

Der erfahrene Sportkamerad und Gründungsmitglied des FC 1907 Offenburg Egon Kahles – über dessen moralische und politische Führung im Dritten Reich nichts Nachteiliges bekannt war – lud zu einer Gründerversammlung am 09. März 1946 um halb acht abends in den Saal der „Neuen Pfalz“ ein, um einen umfangreichen Direktionsausschuß zu wählen, dessen Mitglieder den einzelnen Sport-Abteilungen im neuen Verein vorstehen sollten. Mit der Durchführung mußte so manche alte Tradition über Bord geworfen werden. Das bedeutete nach den Maßgaben der französischen Militärbehörde, alle Vereine sollten ihren traditionellen Namen aufgeben. Somit wurde am 01. Juni 1946 die Offenburger Sportvereinigung ins Leben gerufen. So verschwanden klangvolle Vereinsnamen ehrenvoll und gehörten vorübergehend der Vergangenheit an. Später wurde Egon Kahles von der französischen Militärbehörde zum Rücktritt gedrängt, weil er in den 1930er Jahren die Soldaten-Kameradschaft des ehemaligen Infanterie-Regiments 170 betreut hatte.

Noch vor der Verordnung Nr. 33 vom 04. Februar 1946 war es in Südbaden zu einer in zwei Gruppen geteilten Oberklasse gekommen. Die Gruppe bestand hauptsächlich aus südbadischen Vereinen. Der Offenburger FV wurde der Badischen Oberklasse West zugeteilt und am 27. Januar 1946 (19. März 1946) konnte der Punktspielbetrieb wiederaufgenommen werden. Diese erste Punkterunde mußte unter außerordentlich schwierigen Bedingungen durchgeführt werden. Die Zahl der Zuschauer stieg mit Beginn der Punktspiele von Sonntag zu Sonntag und man hörte so manchen alten Bekannten außerhalb der Barrieren sagen, das ihn die anderthalb Stunden auf der „Stegermatt“ wieder so recht ins Gleichgewicht gebracht hatten. Am Ende der Spielrunde reichte es zu einem fünften Tabellenplatz.

Getragen von einer enormen Begeisterung wurde in der Folgezeit durch den Landessportbeauftragten Herrn Walter Dinger die Einteilung der Vereine in entsprechende Spielklassen veranlaßt. Ihm zur Seite stand Egon Kahles als Rechner und Schriftführer. Im Dezember 1946 beschloß die Zonensportkonferenz in Freiburg eine aus den Gruppen Nord und Süd bestehenden Spitzenklasse – die Zonenliga. Für die Qualifikation zur Zonenliga wurde die erste Meisterschaft nicht gewertet. Vielmehr ermöglichte eine Pokalrunde – „Pokal von Baden“ – die Chance zur Qualifikation. Die Zonenliga setzte sich hauptsächlich aus Vereinen der Landesverbände Südbaden und Württemberg/Hohenzollern zusammen. Erster Spieltag für die Offenburger Sportvereinigung war in der neuen Liga wegen der vorausgegangenen Pokalrunde der 12. Januar 1947 gegen den SSV Reutlingen (1:1). Mit dem zweiten Tabellenplatz am Ende der Punkterunde bot sich die einmalige Gelegenheit, über zwei Qualifikationsspiel gegen den Zweiten der Zonenliga Nord (= Südwest) die Teilnahme an der Endrunde zur Deutschen Fußballmeisterschaft zu erreichen. Im Aufeinandertreffen der Zweiten gegen den TuS Neuendorf (Koblenz) unterlag die Offenburger Sportvereinigung 5:1 und 2:0.

Einen schweren Schlag traf den Verein am 20. November 1949. Die im Jahre 1922 erbaute und später erweiterte Holztribüne brannte um 21:00 Uhr bis auf Grundmauern ab. Die Brandursache konnte nie geklärt werden. Leider verbrannten damit auch viele dort gelagerte Dokumente und historische Aufzeichnungen aus früheren Zeiten und verschwanden somit für immer für die Öffentlichkeit [Anm. d. Verf.: Einige alten Aufzeichnungen konnte nach langem Suchen und vielen Recherchen von Sven Steppat wiedergefunden und aufbereitet werden]. Aber bereits am 08. Oktober 1950 konnte die neue Zuschauertribüne aus Eisenbeton – nach modernsten Gesichtspunkten und Vorschriften jener Zeit erbaut – auf der „Stegermattanlage“ eingeweiht werden.

Auf der nächsten Seiten erfahren Sie, wie der ➠ Offenburger FV seinen Traditionsnamen wieder bekam...

(Copyright 2018 - Sven Steppat)