Das Jubiläumsjahr 1957 ist in der Geschichte des Offenburger FV besonders hervorzuheben. Auf dem Gewann „Untere Bannbösch“ entstand eine Sportanlage mit vier Spielfeldern, Umkleide-, Dusch- und Geschäftsräume sowie ein Rundpavillon als Gaststätte mit Wohnung.

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Ein sonniger Apriltag begünstigte am 10. April 1957 das Richtfest auf dem Gelände der neuen städtischen Sportanlage auf den ehemaligen Schützenwiesen im Gewann „Untere Bannbösch“. Auf diesem 62.000 Quadratmeter umfassenden und landschaftlich herrlich – zwischen Stegermattsiedlung und Kinzig gelegenem Gelände – entstand für einen Betrag von 515.000 Mark ein Hauptspielfeld (Hauptkampfbahn) mit einer überdachten Tribüne mit 500 Sitzplätzen. Das Hauptspielfeld enthält 8.500 Stehplätze. Unter der Tribüne entstanden zwei Abstellräume und Toiletten. Außer dem Hauptspielfeld wurden zwei Rasen-Übungsplätze mit je 110 m Länge x 65 m Breite und ein Hartplatz errichtet.

In einem eingeschossigen Neubau entstanden mehrere Umkleide- und Massageräume, ein Schiedsrichterraum, zwei Geschäftszimmer, eine Werkstatt für den Platzwart, ein Heizraum und Abstellkeller. Im anschließenden Rundpavillon mit über 60 Sitzplätze genießen die Gäste einen hervorragenden Rundblick auf das ausgeprägte Hauptspielfeld. Für den Gastwirt entstand zusätzlich eine zweckmäßige Dreizimmerwohnung mit Küche und Bad.

Am 16. Juni 1957 um 14:30 Uhr übergab Oberbürgermeister Karl Heitz die neue Sportanlage an den Offenburger FV. Heiner Krum, Oberstudiendirektor und Präsident des Offenburger FV, dankte der Stadtverwaltung für die Schaffung dieser neuen Sportstätte. Mit dem Spiel gegen den Südoberligisten Karlsruher SC wurde das Hauptspielfeld seiner Bestimmung auch sportlich übergeben. Es war ein schönes Jubiläumsgeschenk, das die Stadtverwaltung dem Offenburger FV als Pächter übergab. Die Stadt Offenburger und der Offenburger FV einigten sich auf eine jährliche Pachtsumme von 2.000 Mark zuzüglich eines Sportgroschens für jede verkaufte Eintrittskarte.

Mit Wehmut nahmen die alten Vereinsmitglieder Abschied von ihrer sehr geliebten und traditionsreichen „Stegermattanlage“, auf der seit dem 26. Oktober 1913 viele Erfolge von den einzelnen Abteilungen errungen wurden. Das erste Spieljahr auf der neuen Sportanlage brachte die vierte Südbadische Meisterschaft ein.

Mit eigenen Mitteln konnte am 23. November 1957 am Hartplatz eine Flutlichtanlage in Betrieb genommen werden, welche die erste dieser Art bei einem Verein der 1. Amateurliga Südbaden war. Der Vorstand war sich bewußt, daß die großzügige und weiträumig erstellte Sportanlage große Aufgaben und Verantwortungen mit sich bringen würde. Es wurden neue Toiletten unter der Tribüne und Abschrankungen an den Trainingsplätzen geschaffen. Bis zur Spielzeit 1960/61 investierte der Offenburger FV insgesamt 25.000 Mark an Eigenkapital, um alle Einrichtungen für die Gewährleistung des Spielbetriebs zu schaffen. Zudem konnte die Heizungsanlage in den Umkleideräumen und der Gaststätte von Koks auf Gas umgestellt werden. Im Jubiläumsjahr 1967 ließ die Stadtverwaltung Offenburg sämtliche Umkleideräume instandsetzen und die Duschräume erneuern.

20 Jahren Stadionbetrieb ohne nennenswerte Reparaturen und Erneuerungen lieferten einen trostlosen Zustand an allen Ecken. Die Stadionanlage einschließlich der Fußballplätze waren in einem desolaten Zustand. Aus einer Aktennotiz vom 26. Mai 1977 geht hervor, daß dutzende Platzbesichtigungen in den letzten Jahren zu keinerlei nennenswerten Verbesserungen geführt hatten. Im Juli 1978, noch vor dem Start in der Oberliga Baden-Württemberg, begannen die Sanierungsarbeiten für die neuen Stehränge im Südostteil des Hauptspielfeldes.


Die Umbenennung der von der Stadtverwaltung Offenburg neu hergerichteten Sportanlage „Untere Bannbösch“ in „Karl-Heitz-Stadion“ fand im Jahre 1981 in einer festlichen Feierstunde unter Anwesenheit zahlreicher Prominenz statt. Der vor dem Haupteingang postierte Gedenkstein soll an den früheren Oberbürgermeister Karl Heitz (1949 bis 1975) erinnern. Oberbürgermeister Karl Heitz war selbst aktiver Fußballspieler im Offenburger FV, vier Jahre Präsident im Verein und Initiator der im Jahre 1957 errichteten Sportanlage „Untere Bannbösch“.

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Viele seiner Höhepunkte gingen auf Grund der hervorragenden Leistungen seiner Mannschaften, wo teilweise bis an die 10.000 Zuschauer ins Stadion pilgerten, voraus. Das Karl-Heitz-Stadion erlebte am 16. Juni 1984 seinen absoluten Höhepunkt durch den Gewinn der Deutschen Fußball-Amateurmeisterschaft des Offenburger FV gegen SC Eintracht Hamm (4:1).

Nach zweijähriger Bauzeit konnte noch vor Ende der Winterpause im Spieljahr 1989/90 der Tribünen-Neubau fertiggestellt und in einer offiziellen Einweihungsfeier seiner Bestimmung übergeben werden. Präsident Norbert Kramer bezeichnete die Fertigstellung des Neubaus als einen „historischen Tag“ für den Offenburger FV und dankte auch dem großzügigen Bauherrn Ludwig Fischer. Insgesamt betrugen die Baukosten 1,1 Millionen Mark, an denen sich die Stadt Offenburg mit 450.000 Mark und der Badische Sportbund mit 150.000 Mark beteiligten. Den Gästemannschaften und den eigenen Aktiven stehen jetzt wieder moderne Räumlichkeiten zur Verfügung. Im Obergeschoß entstanden neue Umkleide-, Massage- und Duschräume für die Mannschaften. Im unteren Teil des Neubaus entstand ein Schiedsrichterraum, ein Arbeitszimmer für die Presse und der großzügige VIP-Raum für die Mitglieder des „Club 100“. Die Mannschaften und Schiedsrichter erhielten einen neuen, sicheren Zugang zum Betreten des Spielfeldes.

Im Rahmen der umfangreichen Bau- und Sanierungsarbeiten im Stadion wurde pünktlich zum ersten Heimspiel der Saison 2002/03 die Fertigstellung des Tribünenumbaus abgeschlossen. Nicht nur das äußere Erscheinungsbild wurde durch eine moderne Möblierung und durch die Montage einer leistungsfähigen Stadionsprecherkabine mit Pressezentrum verändert, sondern die sich links und rechts sowie unterhalb der Tribüne befindlichen Räumlichkeiten wurden gründlich saniert und durch Anbauten erweitert. Der Offenburger FV verfügt im Tribünentrakt über neun moderne und funktionale Umkleidekabinen, zusätzlichen Duschraum, einen Wäsche- und Trockenraum, Raum für Pflegemaßnahmen und Getränke, Räume für Schiedsrichter, Trainer und Spielvorbereitungen. Die weiteren geplanten Baumaßnahmen, Umbau der alten Umkleideräume und der Geschäftsstelle, können nun in Angriff genommen werden. Bis heute wurde das Fassungsvermögen von ca. 10.000 Zuschauer nicht gedrosselt. Das Stadion ist praktisch ohne große Umbauarbeiten in seiner Ursprungsform erhalten geblieben.

Mit fast 110 Meter Länge und 68 Meter Breite (Bundesliganorm: 105 x 68 Meter) gehört der Rasen im Karl-Heitz-Stadion zu den längsten Spielflächen in Deutschland.

(Copyright 2018 - Sven Steppat)