„Vor ihm hatte ich meine Mannschaft am meisten gewarnt und dann macht er zwei Tore“, Dortmunds Trainer Reinhard Saftig nach dem Pokalfight des Offenburger FV gegen die Borussen. Der 19-jährige avancierte am 29. August 1987 im Karl-Heitz-Stadion zum „Mann des Tages“...

Reinhard Saftig war stocksauer auf seine rechte Abwehrseite, auf der OFV-Youngster Martin Wagner seinen Profikickern nach dem Pokalfight die Schau gestohlen hatte. Der 19-jährige, der dem BVB-Coach schon beim 1:1 in Sandhausen mächtig imponierte, avancierte am 29. August 1987 im Karl-Heitz-Stadion zum „Mann des Tages“ Die dreizehn OFV-Spieler hatten alles gegeben und erhielten als Belohnung die Wiederholung in Dortmund, aber Martin Wagner machte das Match seines Lebens: „Es war ein Riesenspiel“, kommentierte das Sturmtalent die 120 Minuten. Seine eigene Galavorstellung drängte er allerdings weit in den Hintergrund: „Die ganze Mannschaft hat's geschafft und das Publikum, bei dem wir uns besonders bedanken müssen“.
Rotzfrech trumpfte der kleine Linksfüßler gegen die Gelb-Schwarzen aus dem Ruhrpott auf. Sowohl Routinier Gerd Kleppinger als auch Michael Lusch waren nie in der Lage die Kreise des laufstarken OFVlers einzuengen: „Die hatten einige Probleme bei der Übernahme, weil beide - je länger das Spiel dauerte - ziemlich offensiv wurden Da hatte ich nach vorne natürlich sehr viel Raum“, so Wagner.
Doch Wagners Aktionsradius beschränkte sich nicht etwa nur bis zur Mittellinie. Er war eigentlich überall zu finden, half auch stets in der Defensive aus. Es war einfach unglaublich, was der hagere Bursche leistete: „Ich bin in einem Spiel noch nie soviel gelaufen“, gestand er nachher in der Kabine. Dort wirkte er aber alles andere als kaputt - vielmehr beantwortete er mit Geduld alle Fragen, die auf ihn einstürzten. Seine wunderschönen Tore genoss er sichtlich. Das 2:2 mit seinem schwachen rechten Fuß, als er Günter Kutowski wie eine Slalomstange umkurvte und an Torwart de Beer vorbei das Leder unter die Latte drosch: „Da hab ich nicht mehr lange überlegt, sondern einfach draufgehalten“, erinnerte sich Wagner spä¬ter an den ungewöhnlichen Glücksschuß. Schon da reckte er die Faust seinem Trainer und seinem Gegenspieler Michael Lusch entgegen. Beim dritten Ausgleich konnte er es sich nicht verkneifen Lusch vor lauter Schadenfreude zwei Finger entgegenzustrecken, womit er freilich seine beiden Tore meinte. Den Dortmundern rang die Leistung Wagners sichtlich Respekt ab. Trainer Saftig schrieb ihm sogar alle drei Tore zu, weil er vor dem 1:1 durch Frank Ritter von Frank Pagelsdorf gefoult worden war und Präsident Dr. Gerd Niebaum meinte sogar, daß seine Elf mit einem Wagner im Team bestimmt gewonnen hätte. Auch die eigenen Mannschaftskameraden waren voll des Lobes. Herbert Anderer brachte es auf den Punkt: „Dortmund besaß keinen so starken Spieler wie den Martin“.
Doch gleich mitnehmen wollten ihn die Westfalen nicht, allenfalls im Blickpunkt behalten. „Ein Angebot habe ich noch nicht bekommen“, scherzte das OFV-Eigengewächs. Eine Profikarriere hat er schon im Visier, wenn er seine Lehre als Gas- und Wasserinstallateur im Frühjahr `88 beendet hat. Zumal einige Vereine schon bei ihm angeklopft haben. Verletzungspech (Adduktoren) habe ein Probetrainig in Nürnberg verhinderte.
Vor dem Rückspiel Anfang Oktober im Westfalenstadion ist ihm überhaupt nicht bange: „Wenn wir wieder so gut hinten drin stehen und die erste Halbzeit einigermaßen unbeschadet überstehen, dann ist alles möglich“. (Bild: Mittelbadische Presse)
 
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