• FC 1907 OFFENBURG

FC 1907 Offenburg

Der Fußballsport in Offenburg hatte schon vor der Gründung des ersten städtischen Fußballvereins seinen Einzug in den Mauern unserer Heimatstadt gefunden. Er war aber mehr ein Schülersport in der Freizeit, welcher in "freier Wildbahn" auf Straßen und Plätzen auf zwei Tore "gebolzt" wurde. Das Treten nach einem kugelartigen Gebilde war damals in der Öffentlichkeit nicht gern gesehen. Trotzdem hatten sich bereits im Jahre 1903 junge Leute zusammengeschlossen. Dieser erste Versuch einer Vereinsgründung hatte aber nur kurzen Bestand.

img_004.jpg
Es war am 20. Juni 1907 als der damals erst 17-jährige Egon Kahles mit dem ebenso begeisterten Fußballer namens Karl Vogt – einige Freunde in das „Braustübl“ der Brauerei Hund-Ampt (Wilhelm Hund/Julius Ampt) in der Zellerstraße zu einer Besprechung einlud. Es waren meist Offenburger, junge Kaufleute die in Offenburg arbeiteten und Realschüler die sich zuvor zu dem geliebten Fußballsport in ihrer Freizeit auf der früheren Pfählerwiese im Nordwesten der Stadt, die sich von der Okenstraße entlang des nördlichen Randes der Rheinstraße erstreckte, widmeten. Eine nicht gerade übermäßige Anzahl von Fußballanhängern waren es, die sich zusammen einfanden und in jugendlicher Begeisterung über die Gründung eines Vereins abstimmten. Es waren Stimmen dafür, welche auch dagegen und schließlich wurde ein neuer Verein mit dem Namen Fußballclub 1907 Offenburg in den Stadtfarben „Rot und Weiß“ aus der Taufe gehoben. Die neun Gründungsmitglieder – H.(ans-Georg) Furtwängler, Emil Gehringer, Alfred Gutmann, Emil Sutor, Franz und Fritz Vogt, Julius und Friedrich Schneggenburger und Egon Kahles - bestimmten Benno Hamburger zum ersten Vorsitzenden. Nun galt es aber große Schwierigkeiten zu überwinden und ernsten Gefahren entgegenzutreten, an die die Gründungsmitglieder wenig gedacht hatten. Was bedeutet ein Fußballverein ohne Spielplatz? Nach kurzen Verhandlungen mit dem Domänenamt Offenburg stellte dieses die damalige Schillerwiese in der Nordoststadt gegen einen ganz geringen Pachtvertrag zur Verfügung. In kurzer Zeit konnte auch die Sportkleidung – rot-weiß gestreifte Hemden und schwarze Hosen – beschaffen werden, die wenige Zeit später in die neuen weißen Trikots mit dem Offenburger Stadtwappen ausgetauscht wurden. Zur großen Freude aller Spieler hatten die Offenburger reges Interesse für ihren neuen Fußballclub. Schnell war der Zuwachs an aktiven und passiven Mitgliedern, so daß der Spielbetrieb im September 1907 mit einem Wettspiel gegen den SC Freiburg (1:1) beginnen konnte.

Nach wenigen Monaten hatte der neue Verein das Glück seinen ersten Trainer zu bekommen. Der Straßburger Repräsentativspieler und Torwart Eberhard Illmer besuchte das hiesige Gymnasium und stellte sich bereitwillig in den Dienst der guten Sache. Der FC Offenburg trat dem Verband Süddeutscher Fußballvereine bei. Dieser Verband organisierte ab der Saison 1903/04 den Punktspielbetrieb in seinem Verbandsgebiet, das in Kreise eingeteilt wurde. Im Verbandsgebiet bestimmte die Festlegung eines einheitlichen Spielsystems das Verbandsgeschehen. Zunächst wurden vier Kreise: Nord, Süd, West und Ost und schließlich drei Spielklassen gebildet: A-Klasse in den Kreisen und die B- und C-Klasse jeweils im Gau. In der C-Klasse des Oberrheingaues – dem sonst nur noch Vereine aus Freiburg, Straßburg, Mülhausen und Umgebung angehörten – startete der FC Offenburg am 19. September 1909 beim Sportclub Zabern. Dieses erste Punktspiel ging jedoch mit 4:1 verloren. Am Ende der ersten Spielzeit reichte es dennoch zu einem dritten Platz.

Die Platzschwierigkeiten waren erheblich, obwohl man nun die Schillerwiese zu Verfügung hatte. Der Platz war nicht eingezäunt, es gab kein Vereinshaus, keine Gelegenheit sich auf dem Platz umzukleiden, keine Unterkunft während der Pause oder bei schlechtem Wetter. Da es auch keine feststehende Tore gab, mußten diese und das andere Equipment aus dem nahegelegenem Gasthaus „Braustübl“ herangeschafft werden. Die Tore hatten keine Netze und die Bälle sprangen weit hinaus, umso näherstand aber das neugierige Publikum am Spielfeldrand. Die Durchführung des Spielbetriebs wurde unter größten Opfern an Zeit und Geld vorgenommen. Einnahmen waren so gut wie keine zu verzeichnen, obwohl man bei den Zuschauern sammeln durfte. Sportbekleidung und das Fahrtgeld zu den Auswärtsspielen mußte jeder mühsam zusammensparen. Und dennoch ging es stetig aufwärts und trainiert wurde mit wahrem Feuereifer. Immer mehr Jugendliche begeisterten sich an dem neuen Spiel, so daß bald zwei Mannschaften Wettspiele bestritten. Es vergingen drei Jahre eifrigster Arbeit und regsten Spielbetriebs, als für den FC Offenburg eine damals nicht zu verachtende Gefahr durch die Gründung eines zweiten Vereins in Offenburg entstand.

Am 10. März 1910 gründet sich ein zweiter Verein in Offenburg mit dem Namen ➠ Fußballverein 1910 Offenburg...

(Copyright 2018 - Sven Steppat)