Hans Cieslarczyk – Alle nannten ihn nur "Cis"

Für Hans Cieslarczyk gab es keine weißen Flecken auf der fußballerischen Landkarte. In der berühmten „Bente-Hägele-Ära“ Mitte der 70er coachte er sehr erfolgreich den Offenburger FV und war noch weitere zwei Mal an der Badstraße…

"Als kleiner Junge habe ich mit selbstgemachten Fußbällen, die meine Mutter gemacht hat, vor dem Kellerloch unseres Hauses gelernt wie man bolzt", verrät die Offenburger Fußball-Legende von den Anfangen seiner Faszination vom Fußballsport. Das Fußballspielen begann für den am 03. Mai 1937 in Herne-Holthausen geborenen Hans Cieslarczyk im Jahre 1947 bei Rasensport Holthausen. Über den SV Sodingen in der Oberliga West führte sein Weg in die Nationalelf. Als drei Außenstürmer ausfielen, funktionierte Josef „Sepp“ Herberger den damals 21-jährigen Mittelstürmer zum Rechtsaußen um und nahm ihn im Jahre 1958 zur WM nach Schweden mit. Obwohl er sich kurz vorher am Knie verletzt hatte und für die Vorrundenspiele ausfiel, kam er im Halbfinale gegen Schweden (1:3) und im Spiel um Platz drei gegen Frankreich (3:6) zum Einsatz.

Danach sollten für Hans Cieslarczyk bei Borussia Dortmund in der damaligen Oberliga West seine besten Jahre an der Seite von Timo Konietzka und Lothar Emmerich kommen. Doch ein Knöchelbruch stoppte ihn jäh. Das war der „Borussia“ zu viel und sie brachten ihm das Kündigungsschreiben in einem Geschenkkorb ans Krankenbett. „Den Umschlag sollte ich erst am nächsten Morgen öffnen“, sagt Hans Cieslarczyk. Nach vier Jahren wechselte Hans Cieslarczyk im Jahre 1962 zum ältesten Sportverein in Dortmund, dem Dortmunder SC 95. Aber er rappelte sich wieder hoch und fand beim Regionalligisten SC Westfalia 04 Herne seine Form zurück.

Im Jahre 1964 ließ sich Hans Cieslarczyk vom früheren Mitspieler Josef „Jupp“ Marx zum Karlsruher SC in die Bundesliga lotsen. Die Kohle, da machte er keinen Hehl draus, spielte eine entscheidende Rolle. Beim KSC kamen ihm aber viele Verletzungen in die Quere. Nach dem Bundesliga-Abstieg (1968) machte er Schluss mit der Kickerei.

Mit dem Trainer-Diplom in Köln leitete Hans Cieslarczyk dann die zweite Karriere ein. Hennes Weisweiler gehörte zu seinen Ausbildern und empfahl den damals 34-Jährigen, als sich der von Egon M. Schneider geführte Offenburger FV nach einem fähigen und jungen Trainer erkundigte, nach Offenburg zu gehen. Der Mittelsmann war Werner Morstadt. Hans Cieslarczyk: „Der hat uns überall rumgeführt, vom Titisee bis zum Bodensee, und hat uns die Sache so schmackhaft gemacht, dat Henni sachte: Du Hans, wir geh'n zum OFV.“ Für den ehemaligen OFV-Stadionsprecher Hans-Peter Rappenecker war die erste Begegnung mit dem berühmten Hans Cieslarczyk ein „erhebendes Gefühl“ gewesen und fügte hinzu: „I’ hab’ mer zwei Dag d’Händ nit g’wäsche“, witzelte er. Im Sommer 1971 übernahm Hans Cieslarczyk den Trainerposten von Hermann Lipps. Mit aufgerückten A-Jugendspielern musste er die Lücken von bewährten Stammkräften ersetzen und die Mannschaft neu aufbauen. Ein Jahr später wechselte auch noch das Riesentalent Wilfried Trenkel zum Karlsruher SC in die Regionalliga Süd. Für den OFV der größte Verlust...

Auf Betreiben des 1. Vorsitzenden Egon M. Schneider wurde die Mannschaft des Offenburger FV vortan mit namhaften Spielern verstärkt. Es folgten prächtige Jahre an der Badstraße mit zwei grandiosen südbadischen Meisterschaften. Karl-Heinz Bente kommandierte, Hans Hägele trickste, Bernd Schmider wirbelte, Alfred Metzler gab Gas. Nach einer Serie von 23 Spielen ohne Niederlage feierte der Offenburger FV am 06. Mai 1974 die achte südbadische Meisterschaft. Durch den Zusammenschluß der 2. Bundesliga Nord und Süd gab es keine Aufstiegsspiele durch den DFB. Was blieb war die Berechtigung zur Teilnahme an der Deutschen Fußball-Amateurmeisterschaft in einem Ausscheidungsspiel gegen den Meister der Schwarzwald-Bodensee-Liga. Dabei war das Glück auf der Seite des Gegners, der FC 08 Villingen hieß und am Schluß dank seiner Cleverness mit 4:2 Toren die Oberhand behielt. Ein Jahr später und nach 38 Mammut-Spielen gelang dem OFV am letzten Spieltag gegen den Freiburger FC (4:1) der neunte südbadische Meistertitel. Aber die Mannschaft zerbrach 1975 am Aufstiegsdrama von Eppingen, wo der Offenburger FV mit brutaler Härte gestoppt wurde. Für Hans Cieslarczyk noch schlimmer als das Halbfinale von Göteborg. Jedenfalls sagt er: „Dat war dat Dreckigste, wat ich je erlebt hab.“ Nach vier Jahren war dann erst Mal Schluß beim OFV.

Danach tingelte er von einer Trainerstation zur nächsten. In Fürth lief's klasse. Bei den Stuttgarter Kickers stolperte er über ein verfälschtes Zitat. Hans Cieslarczyk hatte gemault: „Wegen unmöglichen Platzverhältnisse…“. Der Journalist ließ das Wort „Platz…“ einfach weg.

Im Juni 1979 kehrte er nach vierjähriger Abwesenheit zum Offenburger FV zurück. Mit ihm wurde auch mit dem glänzenden Spielmacher Karl-Heinz Bente ein Wiedersehen gefeiert. Der OFV startete die Offensive „Aktion 2. Bundesliga“. Aber wiederum erfüllten sich die hochgesteckten Hoffnungen nicht. Ein Jahr später verabschiedete sich der Verein erneut vom Zweitliga-Aufstieg und von seinem Trainer.

Nach dem fehlgeschlagenen Versuch, die Oberliga-Meisterschaft im Frühjahr 1990 zu erzwingen, ging der stark finanziell angeschlagene Offenburger FV in die neue Spielzeit. Am 09. März 1991 ging Spielleiter Paul Leinz von Bord und – nach einer Zwischenstation beim FC 08 Villingen stimmte die Chemie spätestens dann nicht mehr, als ihn die Präsidentin einen „Schönling“ nannte – übernahm Hans Cieslarczyk am 17. April 1991 erneut das Trainer- und zusätzlich noch das Spielleiteramt beim OFV. Doch am 12. Mai 1991 war der erste Abstieg des Offenburger FV bittere Wahrheit geworden. „Ich hatte Magengeschwüre“, sagt Hans Cieslarczyk, „und es war höchste Zeit die Pferde zu wechseln.“

Hans Cieslarczyk ließ sich zum medizinischen Bademeister ausbilden und hängte den Physiotherapeuten dran. Erst mit 68 hörte er auf. In der Nacht vom 09./10. Juni 20 starb Hans Cieslarczyk im Alter von 83 Jahren im Offenburger Klinikum.

(Quelle/Auszug: Mittelbadische Presse, Korrekturen/Ergänzungen/Bild: OFV)

Stationen als Spieler: Rasensport Holthausen, SV Sodingen, Borussia Dortmund, Dortmunder SC 95, Westfalia Herne, Karlsruher SC
Erfolge als Spieler: WM-Teilnahme 1958, 7 Länderspiele, Vizemeister mit Borussia Dortmund (1961)
Stationen als Trainer: SV Morsbach (1968-1971), Offenburger FV (1971-1975), SpVgg. Fürth (1975-1977), Stuttgarter Kickers (1977-1978), 1. FC Saarbrücken (1978), FC Augsburg (1978-1979), Offenburger FV (1979-1980), ESV Ingolstadt (1980-1981), FC 08 Villingen (1984-1985), Offenburger FV (1991)
Erfolge als Trainer des OFV: Südbadischer Meister (1974 und 1975)

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