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Ein Erfolg mit viele Gesichtern

Nach mehreren – teils coronabedingt – knapp verpassten Aufstiegen kehrt der Offenburger FV nach fünf Jahren im südbadischen Oberhaus in die Oberliga zurück. Ein Erfolg, der viele Gesichter hat…

Um 17:22 Uhr am Samstagnachmittag waren die letzten Restzweifel beseitigt. Der 4:2-Siegtreffer des FC Teningen mit dem Schlusspfiff über den Meisterschaftskonkurrenten FC Denzlingen wurde im Karl-Heitz-Stadion zwar nicht ganz so laut bejubelt wie der späte OFV-Siegtreffer durch Kapitän Marco Petereit beim vorangegangenen 2:1-Erfolg über den FC Auggen, löste die ohnehin nur noch leicht angezogene Handbremse bei den Feierlichkeiten aber dann komplett. Rot-weißer Konfetti-Regen mischte sich mit dem dichten Nebel von Rauchbomben und dem grellen Licht einzelner Leuchtfeuer.

„Ich bin einfach nur stolz auf die Mannschaft. Wir haben zwei Jahre Arbeit trotz aller Widrigkeiten mit der Meisterschaft gekrönt und sind eine echte Einheit geworden. Diese Mannschaft hat die Oberliga verdient und muss diesen Schritt jetzt einfach auch mal machen“, war der frisch biergeduschte Meistertrainer Benjamin Pfahler nach 90 nervenaufreibenden Spielminuten und weiteren 60 Minuten Wartezeit auf das Endergebnis des später angepfiffenen Spiels von Konkurrent FC Denzlingen überglücklich und ergänzte: „Dieses Spiel war die Geschichte der letzten Wochen. Wieder haben wir unsere Chancen nicht genutzt, wieder haben wir ein unnötiges Gegentor bekommen, und wieder hat Marco Petereit mit einer Einzelleistung für die Entscheidung gesorgt.“

Pfahler wurde vor Spielbeginn – wie auch die Akteure Fabio Kinast, Martin Weschle und Emily Josia Mugeta – verabschiedet. Doch es sieht ganz danach aus, als würde der Coach als künftiger Trainer des Freiburger FC in der kommenden Oberliga-Saison ins am Samstag mit 352 Zuschauern gut besuchte Karl-Heitz-Stadion zurückkehren.

Auf der OFV-Trainerbank sitzt dann sein bisheriger Co.-Trainer Sascha Ruf, der seinen ersten Posten als Cheftrainer gleich in der Oberliga antritt. „Das nimmt man mit“, freute sich der A-Lizenz-Inhaber mit einem Augenzwinkern und musste die Emotionen erst mal sacken lassen: „Es war ein echter Nervenkrimi, ich habe selten so extrem von außen mitgefiebert. Wir waren so oft nah dran und jetzt einfach mal an der Reihe.“

Symptomatisch für diese Saison waren es die beiden Goalgetter Fabio Kinast und Marco Petereit, die für Jubelstürme bei den eingefleischten Fans in der Nordkurve sorgten. Der 20-jährige Kinast ist so etwas wie der Senkrechtstarter der Saison, erzielte bislang 17 Tore und legte auch gegen den FC Auggen mit seinem eiskalten Abschluss zum 1:0 in der 18. Minute den Grundstein zum Sieg. Ab der kommenden Spielzeit geht er für den Regionalligisten Bahlinger SC auf Torejagd. „Die Gefühle sind der Wahnsinn. Ich gehe hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge weg. Die Mannschaft ist einzigartig, ich will die letzte Woche mit dem OFV einfach noch mal genießen.“

Und das wird der Youngster können, denn seit Samstag steht fest, dass das Gastspiel am kommenden Samstag beim Zweiten FC Denzlingen nicht zum Showdown im Titelrennen, sondern zum Schaulaufen des Meisters wird – ein Zustand, den sich die Mannschaft gerade in den letzten Wochen dank ihrer mentalen Stärke und ihrem unbändigen Willen mit drei Last-Minute-Siegen erarbeitet hat. „Die Jungs sind wie so oft nach dem Rückschlag drangeblieben und haben einen geilen Charakter gezeigt. Das macht dieses Team aus“, schwärmte OFV-Präsident Norbert Großklaus, der sich von keinem Geringeren als Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter, dessen Freundin als Physiotherapeutin beim FC Teningen aktiv ist, über das Geschehen vor Ort auf dem Laufenden halten ließ.

Denn bis zur 85. Minute schien es so, als sollte es an diesem Tag einfach nicht sein. Der OFV ließ hochkarätige Chancen en masse liegen, bis einmal mehr Marco Petereit alle Beteiligten mit seinem Siegtreffer erlöste. „Es ist mir fast schon unangenehm, immer die wichtigen Tore zu machen“, war der Kapitän, der mit 23 Treffern die Torjägerliste der Verbandsliga anführt, nach Spielende mit seinem Sohn auf dem Arm einfach nur erleichtert und freut sich nun auf die kommende Oberliga-Saison als spielender Co-Trainer. Offenburg und Oberliga, das passt auch für Finanzbürgermeister Hans-Peter Kopp zusammen: „Ich war mir nahezu 100 Prozent sicher, dass sie es heute packen. Es war eine überragende Saisonleistung, auch im Team dahinter. Diese Meisterschaft dürfen sich alle auf die Fahne schreiben, sie ist ein Verdienst von ganz vielen. Offenburg hat die Oberliga verdient. Für die Größe unserer Stadt gehört die Oberliga hierher.“

Damit die Oberliga nicht wieder, wie beim letzten Gastspiel in der Saison 2016/17, ein einjähriges Intermezzo wird, muss der Meisterkader laut Ex-Teammanager Heinz Falk trotz zahlreicher Talente aus der eigenen Jugend punktuell verstärkt werden: „Die Mannschaft verbindet eine unglaubliche Kameradschaft, das findet man selten. Großes Lob an Trainer Benni Pfahler, der an diesem Aufstieg einen großen Anteil hat. Wir wissen, dass es schwer wird, in der Oberliga zu bestehen. Auf jeden Fall sollten wir noch zwei oberligataugliche Spieler bekommen. Aber das ist natürlich auch eine finanzielle Geschichte.“

(Auszug: Mittelbadische Presse, Bild: M. Schwitzkowski)

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