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Wer war: Paul Leinz - Ein Urgestein des OFV

Der in Moldawien geborene Paul Leinz war beim Offenburger FV vielerlei: Trainer der 2. Mannschaft, der A-Jugend – vor allem aber Spielausschussvorsitzender, was dem heutigen Begriff Teammanager recht nahe kommt…

Nach der Umsiedlung 1942 lernte der am 20. Juli 1933 geborene Paul Leinz zunächst im sächsischen Eilenburg bei Leipzig seine Frau kennen, ehe es dann noch vor dem Mauerbau nach Offenburg ging. Dort spielte sein Bruder Waldemar Leinz beim OFV, während es Paul beruflich bei „Tesa“ zum Abteilungsleiter brachte. Beim Offenburger FV gehörte er ab 1982 zur Vorstandschaft und erlebte die wohl heißeste Saison der Vereinsgeschichte ganz nah am Geschehen auf der Bank. „Er hat sich total eingebracht – der OFV war für ihn eine echte Herzensangelegenheit. Ich habe Paul damals nie in Zivil gesehen, nur in OFV-Klamotten“, sagt Alfred Metzler, der diese Spielzeit als Verteidiger begann und als Coach beendete.

Der Offenburger FV galt im Spieljahr 1983/84 allerorts von Experten und Trainern der Oberliga Baden-Württemberg als Favorit. Die Mannschaft wurde systematische von Trainer Klaus Blawert auf die neue Runde vorbereitet, aber der Start missriet total und Blawert musste gehen. Ein Profi musste her und der hieß Manfred Krafft – blieb aber keine drei Wochen. Noch bei seiner Verpflichtung hatte Krafft erklärt, den OFV bis zum Ende der Vorrunde zu trainieren. Und plötzlich der Absprung, als Paul Leinz am 03. November 1983 um 06:00 Uhr morgens völlig konsterniert die Kündigung am Telefon entgegennahm. Dort teilte Krafft mit, dass er bereits das Training in Kaiserslautern übernommen habe und in Offenburg nicht mehr erscheinen wird.

Plötzlich stand der OFV ohne offiziellen Trainer da. Somit übernahm Interims-Trainer Rolf Müller die Trainingsleitung und der OFV war ein einziges Pulverfass. Mit einer 0:7-Niederlage beim Absteiger Lauda schien am 13. November 1983 der Tiefpunkt erreicht. Es folgte im heimischen Stadion der K.O. im südbadischen Pokal gegen den benachbarten Landesligisten FV Ebersweier (0:2). Am 17. November 1983 kam Karl-Heinz Bente. Der charismatische Bente wurde Teamchef, machte aus einem komplizierten Geflecht von fast untrainierbaren Stars wieder eine Mannschaft, verunglückte aber am 25. Januar 1984 tödlich mit dem Auto.

Dann übernahm Alfred Metzler – mit Leinz als Unterstützer. Und die Saison endete im Triumph – mit dem Gewinn der ➠ Deutschen Fußball-Amateurmeisterschaft vor 9.000 Zuschauern im Karl-Heitz-Stadion. Leinz, der stets eine große Nähe zum OFV-Vorsitzenden und Mäzen Louis Fischer hatte, blieb auch noch Spielausschussvorsitzender, als die goldenen Zeiten zu Ende gingen und mit Beginn der Steueraffäre der rasante Verfall begann. Erst am 09. März 1991 ging er von Bord, als ihn der damalige rumänische Kurzzeittrainer Octavian Popescu (zuvor Malatya Spor Kulübü/Türkei, TSV 1860 München) von einer Mannschaftssitzung ausgeschlossen hatte.

Paul Leinz lebte in seinem Haus in Offenburg-Weier und hatte große Freude daran, die `84-Helden oder andere Spieler mit ihren Frauen immer wieder zu jährlichen Treffen zusammenzubringen. Das letzte davon fand im November 2017 statt. Was jetzt daraus wird, weiß noch niemand. Denn am Telefon sagt keiner mehr: „Guten Tach, Leinz am Apparat ...!“ (Lokale Quelle: Mittelbadische Presse, Bild: Verein)