Sanierungsfall Karl-Heitz-Stadion

Um die Zukunft des Karl-Heitz-Stadions geht es am Montag in der Sitzung des Haupt- und Bauausschusses. Die Stadt will den Stadträten Vorschläge für die Zukunft der traditionsreichen, aber maroden Spielstätte unterbreiten. Das OFV-Areal soll bekanntlich für die Landesgartenschau 2034 weichen…

Zwischen Rathausspitze und OFV-Vorstand ist es Konsens: Erhält die Stadt den Zuschlag für die Landesgartenschau, verlässt der OFV sein Gelände an der Badstraße und erhält ein neues Stadion in der Nähe der Hochschule. Beide Parteien bezeichneten dies Ende Juni als „Win-Win-Situation“. Die Stadt will bei erfolgreicher Bewerbung für die Landesgartenschau 2034 das Areal in einen Wasser- und Sportpark mit Anbindung an die Kinzig umgestalten. Der OFV erhofft sich von diesem Neubau bessere Trainingsmöglichkeiten und vor allem geringere Betriebskosten als in der jetzigen veralteten Spielstätte, wo es einen größeren Sanierungsstau gibt.

Doch was passiert, bis der OFV sein neues Stadion beziehen kann? Darüber hat sich der städtische Sportchef Michél Elsté Gedanken gemacht, die er am Montag (12. November) um 18:00 Uhr in der gemeinsamen Sitzung des Haupt- und Bauausschusses sowie des Schul- und Sportausschusses präsentiert. Das Büro Sport-Concept Stuttgart hat hierzu eine Untersuchung vorgenommen, wie das OFV-Stadion fitgemacht werden kann und welche Kosten dafür entstehen.

Wie Elsté in der Vorlage aufzeigt, sind die Vorlagen heute so groß, dass besucherträchtige Partien wie etwa das DFB-Pokalspiel des OFV gegen St. Pauli im Jahr 2012 nur mit immensem Aufwand zu realisieren sind. Das Problem: Gerade aus solchen Spielen kann der OFV Einnahmen erwirtschaften. Wenn aber ein Großteil davon wieder dafür draufgeht, um das Stadion für solche Großereignisse aufzurüsten, war der Aufwand für die Katz.

Die Agentur Sport-Concept hat deshalb untersucht, was es braucht, um das 10.000 Besucher fassende OFV-Stadion für eine bestimmt Zuschauerzahl dauerhaft spielfähig zu machen. Am günstigsten wäre es, den Status quo zu zementieren – den Oberligaspielbetrieb mit bis zu 1.000 Zuschauern. Hier müsste lediglich nur das Flucht- und Rettungswegesystem optimiert werden (150.000 Euro).

Teuerste Variante wiederum wäre es, das OFV-Stadion für Oberliga- und DFB-Spiele mit bis zu 10.000 Zuschauern zu ertüchtigen. Hier würden 700.000 Euro fällig für die Optimierung der Fluchtwegesysteme, sanitäre Anlagen und Maßnahmen zur Fangruppentrennung. Im kompletten Stadion müssten auf den Stehtribünen „Wellenbrecher“ eingebaut werden, außerdem wäre ein Innenraumabtrennung – sprich ein Zaun zwischen Spielfeld und Zuschauertribünen – erforderlich. Ein Mittelweg wäre, das OFV-Stadion für bis zu 5.000 Zuschauer spielfähig zu machen. Hier könnte der Aufwand in Details etwas abgespeckt werden, so dass die Kosten nur bei 500.000 Euro lägen.

Diese Variante empfiehlt Elsté auch in seiner Vorlage. Denn sie ermöglicht es dem OFV zu einen „größere“ Spiele auszutragen. Zum anderen seien Spiele über 5.000 Besucher doch sehr selten. Beließe man den Status quo mit bis zu 1.000 Zuschauern, könnte die Sportstadt Offenburg zukünftig deutlich seltener Austragungsort fußballerischer Leckerbissen sein, so Elsté abschliesend.

Rückbau soll 2027 beginnen
Der städtische Sportchef Michél Elsté schlägt vor, das Karl-Heitz-Stadion für eine Kapazität von 5.000 Zuschauern zu ertüchtigen. Klappte es mit dem Zuschlag für die Landesgartenschau, soll dies 2020/21 umgesetzt werden. Die Kosten werden auf 500.000 Euro geschätzt. Gleichzeitig sollen Stadt und OFV gemeinsam ein Flächenprogramm und das Investitionsvolumen für eine neue Sportanlage, aber auch für eine grundlegende Modernisierung der bestehenden Anlage an der Badstraße ermitteln. Im Falle des Zuschlags für die Landesgartenschau im Zeitraum 2032 bis 2034 (angestrebt ist 2034) müsste ein Rückbau des Karl-Heitz-Stadions 2027 beginnen, der Stadion-Neubau bis 2028 erfolgen.

Info I: Die Kostenschätzung liegt zugrunde, dass bei besucherträchtigen Spielen mobile Toilettenanlagen bereitgestellt werden. Sonst müsste bei der Variante mit bis zu 5.000 Zuschauern 20 Toiletten und acht Urinale (800.000 Euro Mehrkosten) und bei Variante mit bis zu 10.000 Fans gar 127 Toiletten und 54 Urinale gebaut werden (2,6 Millionen Euro Mehrkosten).
Info II: Eigentümerin des Karl-Heitz-Stadions ist die Stadt. Sie hat das Stadion und die Nebenplätze langfristig an den OFV verpachtet. Für die Gaststätte und das Verwaltungsgebäude besteht ein Erbbaurechtsvertrag.

[Das Erbbaurecht (lat. superficies) ist das Recht, meist gegen Zahlung eines regelmäßigen sogenannten Erbbauzinses, auf einem Grundstück ein Bauwerk zu errichten oder zu unterhalten (§ 1 Abs. 1 ErbbauRG). Das Erbbaurecht wird begründet durch einen Erbbaurechtsvertrag zwischen Erbbauberechtigtem (superficiarius) und Grundstückseigentümer (dominus soli) und anschließender Eintragung ins Grundbuch. Das Erbbaurecht wird selbst wie ein Grundstück behandelt (sogenanntes grundstücksgleiches Recht).]

(Lokale Quelle: Mittelbadische Presse, Bild: U. Marx)

In einem weiteren Artikel ➠ "Entscheidung über Sanierung fällt erst 2020" erhalten Sie weitere Informationen über das Projekt OFV-Stadion-Neubau.