• Offenburger FV

Der Offenburger FV nach dem Abstieg

Am 15. Dezember 1990 und kurz vor der Winterpause steht der Offenburger FV mit 11:23 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz in der Oberliga Baden-Württemberg. Der Verein ist zum Handeln gezwungen und beurlaubt Trainer Anton Rudinski. Für den schwierigen Endkampf kommt der unerfahrene Rumäne Octavian Popescu und muß ebenso kurzer Handlungszeit auch das Feld räumen. In diesen Tagen bewegt den vielen Mitgliedern und Anhängern die Frage, gelingt es den drohenden Abstieg zu verhindern? Am 12. Mai 1991 und nach 13 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit in der Oberliga Baden-Württemberg ist der Abstieg bittere Wahrheit…

Finanzielle Schwierigkeiten, ausbleibende sportliche Erfolge, mangelndes Zuschauerinteresse und eine ungewisse Zukunft prägen das Bild des Offenburger FV in den folgenden Jahren. Das Niveau verflacht nach dem Abstieg in jeder Hinsicht. Einen kurzfristigen Liquiditätsengpass wird durch eine Kreditgewährung durch die Deutsche Bank überbrückt und der 1. Vorsitzende Egon M. Schneider kündigt seinen Rücktritt an. Die Vorrunde endet mit Hausdurchsuchungen auf der Geschäftsstelle und bei Ex-Vorstandsmitgliedern. Und es beginnt die Steueraffäre, die den OFV bis an den Rand des Ruins bringen. In der 85-jährigen Vereinstradition steht der OFV ohne Vorstand da. Am 07. Februar 1992 stellt Egon M. Schneider sein Amt als 1. Vorsitzender zur Neuwahl. Er sei nicht zurückgetreten, sondern kandidiere nicht mehr für dieses Amt. Auch die Ex-Vorsitzenden Norbert Kramer, Ludwig „Louis“ Fischer lehnen eine Kandidatur ebenso ab wie Heinz Schappacher, Dr. Klaus Haake und August „Gustl“ Kopp. Rechtsanwalt Achim M. Stapf unterbricht für fünfzehn Minuten die Jahreshauptversammlung, um den Mitgliedern eine letzte Chance zu geben, einen neuen Vorsitzenden zu bestellen. Auch dies bleibt ohne Erfolg. Unter dem Motto „Wir alle sind der OFV!“ findet am 06. März 1992 die außerordentliche Jahreshauptversammlung statt. Vier Wochen zuvor schien das Ende des Offenburger FV so gut wie besiegelt. Quasi in allerletzter Minute findet sich mit Heinz Schappacher (Präsident), Rechtsanwalt Achim M. Stapf (1. Vorsitzender/Schriftführer), Barkeeper Siegfried „Sigi“ Späth (2. Vorsitzender), Lothar Heuberger (3. Vorsitzender) und Rudi Hummel (Schatzmeister) eine neue Führungsmannschaft zusammen. Der neue Trainer Werner Hafner will einen Neuaufbau mit „ehrlichem“ Fußball und beendet die erste Verbandsliga-Saison 1991/92 auf Platz neun. Auch in der Saison 1992/93 bleibt Werner Hafner dem Offenburger FV als Trainer erhalten. Der Verein beurkundet mit der Weiterverpflichtung die gute Aufbauarbeit als Trainer und seine Treue zum Verein.

Im Sommer 1993 verliert der Offenburger FV die „Gemeinnützigkeit“. Somit sind Spendengelder nicht mehr steuerlich absetzbar. Mit dem Ziel „Wir wollen oben dabei sein und wir wollen nach Möglichkeit Meister werden“, signalisiert der neue Trainer Bora Markovic sein Vorhaben für die bevorstehende Saison. Doch Marcovic´s Vorhaben scheitert bereits im September 1993 mit einem 0:1-Pokaldebakel in Gengenbach und gerät in den Meisterschaftsspielen in den Abstiegsstrudel. Nach der Vorrunde war die Ära Bora Markovic auch schon wieder vorbei. Nach der Niederlage gegen SG Lörrach-Stetten (1:2) zieht der abstiegsbedrohte Offenburger FV die Notbremse. Nach dem Trainerwechsel – Peter Grassmann für Bora Markovic – sind diesmal die Spieler betroffen. Präsident Heinz Schappacher und Spielleiter Karl-Heinz Kuderer präsentieren der Mannschaft am 02. Dezember 1993 ein Modell „mit großen finanziellen Einbußen“ für die Spieler. Das Modell sieht künftig nur eine Erstattung der Fahrtkosten vor. Hinzu kommt eine Beteiligung an den Zuschauereinnahmen für den Fall, daß bei Erfolgen wieder mehr zahlende Gäste als die zuletzt 96 Zuschauer kommen. Kurz vor Silvester 1993 tritt der 2. Vorsitzende Siegfried „Sigi“ Späth zurück und stürzt den ehemaligen Oberligisten in eine tiefe Führungskrise. „Es gibt keine besonderen Gründe. Es sei mehr die Ansammlung gewisser Dinge“, erklärt „Sigi“ Späth. Der Auslöser für den Rücktritt ist jedoch in der Ablösung von Trainer Bora Marcovic zu suchen. „Es hat mich gestört, wie das vollzogen wurde“, gibt der Barbesitze noch bekannt. „Sigi“ Späth hat nach eigenen Angaben bereits nach dem 0:1-Pokaldebakel in Gengenbach am 01. September 1993 für einen Trainerwechsel plädiert. Gegen seine Vorstandskollegen hat er sich nicht durchsetzen können. Ein kommissarischer Nachfolger wird nicht eingesetzt, was sich später als verhängnisvoll herausstellen soll. Die Würfel sind auch für Trainer Peter Grassmann gefallen: Der Coach kapituliert vor dem sportlichen Exodus (Abwanderungen) beim Offenburger FV und nennt die schlechte sportliche Perspektive als Grund für seinen Abschied nach Saisonende. Am 07. Mai 1994 steht es fest – der Offenburger FV steigt als Drittletzter (32:51/24:36) aus der Verbandsliga Südbaden ab. Mehr Wehmut als Schadenfreude bringt dieser Abgang in die Niederungen des südbadischen Amateurfußballs mit. Bei der Frage nach der Zukunft des einstigen Oberligisten scheiden sich die Geister: Die einen prophezeien den freien Fall, andere sehen im Abstieg sogar eine Chance. Der Verein hat auf jeden Fall die Quittung für sein jahrelanges Fehverhalten bekommen.

Bereits vor zwei Jahren steht Jürgen Marek als Trainerkandidat beim Offenburger FV auf dem Wunschzettel. Der Verein entscheidet sich aber für eine Weiterverpflichtung von Trainer Werner Hafner. Am 23. Mai 1994 meldet der OFV endlich Vollzug und bestätigt um 11:00 Uhr die Zusage des 42-Jährigen Fußballehrers. Nach dem sportlichen Aderlaß erwartet Trainer Jürgen Marek keine leichte Aufgabe. „Ich bin mir bewußt, daß wir noch einen schweren Weg vor uns haben, bevor eine neue OFV-Mannschaft steht, aber gemeinsam packen´s wir schon. Mit Ehrgeiz, Wille und Leidenschaft lassen sich Berge versetzen, darauf baue ich“, stürzt sich der neue Trainer in seine Arbeit. Zwei Dutzend neue Spieler werden gesichtet, eingestuft und geformt und am Ende der Wegstrecke soll der Klassenerhalt in der Landesliga stehen. Mehr wird vom neuen Trainer und der neuen Mannschaft zum Saisonende auch nicht verlangt.

Seit November 1994 steht der Verein in der Schuldnerliste mit dem Eintrag „Haftbefehl zur Abgabe der Eidesstattlichen Erklärung“. Ende November verschwindet Präsident und 1. Vorsitzender Heinz Schappacher spurlos. Seine Gastro- und Gartenmöbelfirma ist geschlossen. Auch seine Frau hat keinerlei Anhaltspunkte über den Aufenthaltsort ihres Mannes. Im Dezember 1994 beginnt im Rahmen der Steueraffäre vor dem Amtsgericht Offenburg ein erster Prozess. Nach dem Ergebnis einer Sitzung des geschäftsführenden Vorstandes, ist Wolfgang Geiler zum Notvorstand (03. Januar 1995) des Offenburger FV berufen. Schnelles Handeln zwingt den geschäftsunfähigen Verein zu dieser Maßnahme. Jetzt rächt sich ein Faktum, dem bei den Wahlen im Mai 1994 keine Bedeutung beigemessen wird. Nach dem Ausstieg von Siegfried „Sigi“ Späth als 2. Vorsitzender kurz vor der Jahreswende 1993/94 findet sich kein Nachfolger für diese Position und somit kein vertretungsfähiger Vorstand, der die Geschäfte weiterführen kann. Der spurlos verschwundene Präsident und 1. Vorsitzender Heinz Schappacher läßt über einen Boten übermitteln, er möge von all seinen Ämtern beim OFV entbunden werden.

Was das Thema Fußball beim OFV angeht interessiert in Offenburg niemand mehr. Von 1994 bis 2001 spielt der ruhmreiche „Traditionsverein von der Badstraße“ im Schatten der Fußball-Oberliga in den Niederungen des südbadischen Amateurfußballs…

(Copyright 2019 - Sven Steppat)Update: 16. März 2019

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Über den Offenburger FV

Bereits seit 1907 wird beim Offenburger FV organisiert Fußball gespielt. Seitdem kann unser Verein auf eine beachtliche Erfolgsgeschichte zurückschauen. Uns verbindet alte Tradition und moderner Fußball. Zu den größten Erfolgen zählen mehrere südbadische Meisterschaften und Pokalsiege, Teilnahmen an den Aufstiegsspielen zur 2. Liga Süd, am DFB-Pokal und der Gewinn der Deutsche Fußball-Amateurmeisterschaft im Jahre 1984.

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  77652 Offenburg, Badstraße 22
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