Die Saison steht auf der Kippe

Der Südbadische Fußballverband muss entscheiden, wie es mit der Saison weitergeht. Einfach wird es nicht: Es gibt zahlreiche kontroverse Meinungen von Vereinsvertretern…

Der Südbadische Fußballverband ist nicht zu beneiden. Nicht nur sind die Entscheidungsträger den Auswirkungen einer Jahrhundert-Pandemie ausgesetzt, von der niemand weiß, wann sie unter Kontrolle ist und wieder ein „normales“ Leben zulässt. Sie müssen sich auch mit den kontroversen Meinungen unzählinger Vereinsvertreter von der Oberliga bis zur Kreisliga C (und dem Jugendbereich) auseinandersetzen. Die Saison nach der Vorrunde beenden mit Auf- und Absteiger? Verlängerung der Saison über den 30. Juni hinaus, womöglich bis ins Frühjahr 2022? Sofortiger Saisonabbruch? Das sind alles Optionen, die ihre Befürworter haben. Dies wurde am Mittwochabend deutlich, als der SBFV seine Vereine zu einer virtuellen Infoveranstaltung einlud. Nun haben die Verantwortlichen bis Freitagabend Zeit, die mehr als 150 Wortmeldungen im Chat und zahlreiche E-Mails auszuwerten. Dann tagt die Vorstandschaft und will einen Fahrplan festlegen, der Anfang kommender Woche veröffentlicht werden soll.

Im Gegensatz zu Hallensportarten, die ihre Saison längst abgebrochen haben und auf einen Neustart im Spätsommer hoffen, hat der Fußball noch zwei Trümpfe in der Hand. Das Spiel findet im Freien auf weitläufigen Sportplätzen und nicht in engen Hallen statt. Und nicht zuletzt die große Hoffnung, dass die Pandemie in den wärmeren Monaten sowie dank Hygienekonzepten und Impfungen kontrolliert werden kann. „Wir wollen die Vereine in unseren Entscheidungsprozess mit einbinden. Das ist uns ganz wichtig“, stellte der für den Spielbetrieb zuständige SBFV-Vizepräsident Christian Dusch während der einstündigen Infoveranstaltung am Mittwochabend klar. Was im Prinzip ein lobenswerter Ansatz ist, könnte aber zum Problem werden. Denn die Meinungen der Vereine sind so unterschiedlich, dass sie kaum auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sein dürften.

Das fängt schon bei der Frage an, wieviel Vorbereitungszeit den Teams nach dem Ende des Lockdown gewährt werden muss, bis der Spielbetrieb fortgesetzt werden kann. Mehrere Vereinsvertreter meldeten sich zu Wort und vertraten die Meinung, dass das Verletzungsrisiko bei einer kurzen Vorbereitung nach mehr als vier Monaten Pause nicht vertretbar wäre. „Die Vorbereitungszeit kann noch diskutiert werden“, räumte Dusch ein.

Auch die Diskussion, ob die Saison bereits jetzt ohne Wertung abgebrochen oder unbedingt fortgeführt werden soll, ließ keine klare Tendenz erkennen. Vielmehr lassen sich die meisten Vereinsvertreter da sehr von der aktuellen sportlichen Situation ihres Clubs leiten. Spitzenteams fürchten, um ihre Aufstiegschance gebracht zu werden. Kellerkinder wittern die Chance auf den „kampflosen“ Klassenerhalt.

Der SBFV hat weiter die klare Absicht, vom Saisonende am 30. Juni nicht abzurücken, um die Spielzeit 2021/22 nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Als „Best-Case-Szenario“ beschrieb Dusch das Ende des Lockdowns am 07. März, was eine Saisonfortsetzung nach Ostern am 10./11. April ermöglichen würde. Als spätesten Termin für den Neustart nannte er den 09. Mai. „Dann könnten wir zumindest in allen Ligen die Vorrunde beenden und Relegationen um Auf- und Abstieg spielen“, so der Vizepräsident. Der Saisonabbruch ist für ihn „die schlechteste Variante“. Aber: „Damit müssen wir uns auseinandersetzen.“

Wenn am 09. Mai noch immer nicht gespielt werden kann, „geht uns schlicht und einfach die Zeit aus“, weiß Dusch. Denn regelmäßige englische Wochen sollen den Clubs nicht zugemutet werden. Dienstag und Mittwoch könnten stattdessen für Nachhol- und Pokalspiele genutzt werden. „Es gibt Mannschaften, die noch drei oder vier Nachholspiele zu bestreiten haben. Das dürfen wir nicht außer Acht lassen“, warnt Dusch.

Es gibt aber nicht wenig Vereine, die eine Saisonfortsetzung über den 30. Juni hinaus befürworten, möglicherweise bis zum Jahresende oder gar ins Frühjahr 2022 hinein. „Wir bitten die Vereine ausdrücklich darum, uns ihre Argumente mitzuteilen, damit wir ein breites Meinungsbild für unsere Entscheidung haben“, so Dusch. Nur bei einem Punkt waren sich fast alle einig: Spiele ohne Zuschauer wären eine „fatale Entscheidung“ und sollten kein Thema sein.

Sollte es zum Saisonabbruch kommen, würde dies für alle Ligen um Männer-, Frauen- und Jugendbereich gelten. „Diese Entscheidung kann nur einheitlich für das gesamte Verbandsgebiet getroffen werden“, stellte Dusch fest. Klarheit herrscht dagegen in Sachen Wechselfrist. „Die Sechs-Monats-Regel ist ab dem 01. Februar ausgesetzt. Es kann also in dieser Saison kein Spieler mehr ohne Zustimmung des abgebenden Vereins wechseln“, verkündende SBFV-Geschäftsführer Siegbert Lipps.

(Auszug: Mittelbadische Presse, Bild: SBFV)